Robotik Schweiz: 217 Firmen, aber das grosse Geld kommt aus den USA
Symbolbild · KI-generiertDie Schweiz zählt mindestens 217 Robotikfirmen mit rund 7'000 Stellen, und gut die Hälfte der eigentlichen Roboterbauer sind Ausgründungen der Hochschulen, vor allem von ETH und EPFL. Das zeigt eine Analyse, die Raiffeisen am 29. September veröffentlicht hat. Seit 2020 kamen hierzulande 3,8 wagnisfinanzierte Robotik-Startups auf eine Million Einwohner, mehr als in den USA oder in Grossbritannien.
Beim grossen Geld kippt das Bild allerdings. In Finanzierungsrunden über 100 Millionen Dollar stammen nur 12 Prozent des Kapitals aus der Schweiz, 54 Prozent dagegen aus den USA. Wer hier wachsen will, holt sich das Geld im Ausland, und mit ihm das Risiko, dass Firmen und Wertschöpfung später abwandern.
Wie das konkret aussieht, hat Gravis Robotics im August vorgeführt. Das ETH-Spin-off, das Baumaschinen autonom fahren lässt, erhielt 200 Millionen Dollar, und zwar allein von SoftBank, bei einer Bewertung von einer Milliarde. Es war das erste Einhorn der Schweizer Robotik, finanziert vollständig aus Japan. Gut fünf Monate zuvor hatte Amazon die Zürcher Lieferroboter-Firma RIVR übernommen, die aus dem ETH-Projekt Swiss-Mile hervorgegangen war. Und die Robotiksparte von ABB, über Jahrzehnte das industrielle Aushängeschild des Landes, wechselt für 5,4 Milliarden Dollar ebenfalls zu SoftBank. Auch das jüngste Beispiel passt ins Muster: Embodied AI aus Lausanne startete im September mit einem internationalen Investorenkonsortium, angeführt von einem ausländischen Wagnisfinanzierer.
Die Studie erklärt auch, warum das so ist. 87 Prozent der Schweizer Robotikfirmen beschäftigen weniger als 100 Leute. Von den 109 Firmen, deren Kerngeschäft Roboter sind, gelten zwei Drittel als Start-ups oder Scale-ups, dazu kommen rund 50 Zulieferer und 30 Integratoren. Die Scale-ups stellen mit etwa 2'000 Stellen inzwischen mehr Arbeitsplätze als die etablierten internationalen Konzerne mit rund 1'600 Vollzeitstellen. Gegründet wird weiterhin fleissig, seit 2020 entstanden 50 neue Firmen, in jedem der letzten drei Jahre mindestens zehn. Geografisch ist die Branche eng konzentriert: Zürich und die Waadt beherbergen zusammen rund drei Viertel der Unternehmen.
Auffällig ist, wie wenig davon klassische Fabrikautomation ist. Rund 70 Prozent der Kernfirmen arbeiten in der professionellen Servicerobotik, stark vertreten sind Drohnen, autonome mobile Roboter und Medizinrobotik. Die Industrierobotik zählt gerade noch 17 Firmen mit rund 920 Beschäftigten, ebenso viele Unternehmen konzentrieren sich auf Software und KI für Roboter. Beim Einsatz steht die Schweiz trotzdem gut da. Mit 29 Industrierobotern auf 1'000 Beschäftigte in der Industrie gehört sie zu den zehn am stärksten automatisierten Ländern, und bei professionellen Servicerobotern liegt sie in Europa vorne.
Im globalen Vergleich wirken die Schweizer Runden dennoch klein. Allein im dritten Quartal 2026 flossen laut Crunchbase weltweit 159 Milliarden Dollar Wagniskapital, so viele Runden über eine Milliarde wie nie zuvor, und auch die Robotik nahm erneut mehr als zehn Milliarden auf. Solche Summen kommen in der Schweiz kaum zusammen, und so landen die grossen Schecks fast zwangsläufig bei amerikanischen, japanischen oder chinesischen Geldgebern. Die ETH zählte 2025 zwar einen Rekord von 46 Ausgründungen mit rund 540 Millionen Franken Finanzierung, verteilt auf über 40 Runden. Für einen Humanoiden oder eine Roboterflotte im industriellen Massstab ist das ein Startkapital, mehr nicht.
«Die Schweiz ist gut aufgestellt», lautet das Fazit von Raiffeisen dennoch, und an der Breite der Szene gibt es tatsächlich wenig zu deuteln. Dass Roboter hierzulande vor allem Stellen ersetzen, erwarten die Autoren übrigens nicht. Über 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten zwar in Berufen mit überdurchschnittlichem Potenzial für den Robotereinsatz, gerade die Mangelberufe verlangen aber Fachwissen und menschlichen Kontakt. Die Maschinen dürften dort eher helfen als verdrängen. Offen bleibt die Frage, wem die Firmen gehören werden, die diese Maschinen bauen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.