LG hat sein Ziel für Roboter-Trainingsdaten auf 500'000 Stunden bis Jahresende verfünffacht, im August waren es 100'000. Der Haushalt kommt um 2030. Einen zweibeinigen Humanoiden, entwickelt mit Nvidia, will der Konzern im ersten Quartal 2027 zeigen, bezahlt aus dem Geschäft mit der Kühlung von KI-Rechenzentren.
Symbolbild · KI-generiertLG Electronics hat am Analystengespräch zum dritten Quartal vom 28. Oktober das eigene Datenziel für Roboter nach oben korrigiert. Bis Jahresende sollen 500'000 Stunden Trainingsdaten zusammenkommen, echte und simulierte gemischt. Im August standen an derselben Stelle noch 100'000 Stunden. Fünffachung in gut zwei Monaten, weil die Aufnahmen schneller anfielen als geplant.
Gesammelt wird in einer 10'000 Quadratmeter grossen Data Factory in Seoul, die ab dem vierten Quartal voll läuft. Einen zweibeinigen Humanoiden, entwickelt mit Nvidia, will LG im ersten Quartal 2027 zeigen, der Haushalt folgt um 2030. Bezahlt wird das aus einem anderen Geschäft: Mit Kühlung für KI-Rechenzentren liegen die Aufträge bei über drei Billionen Won, zur Robotik nennt LG keine Umsatzzahl.
Der Satz, der von diesem Call hängen bleibt, ist kein Datum. LG will Roboter bauen, die auf Haushaltsgeräte zugeschnitten sind, und Haushaltsgeräte, die auf Roboter zugeschnitten sind. Das klingt nach Ingenieurslogik und ist eine Geschäftsentscheidung. Wer heute eine Waschmaschine kauft, kauft unter Umständen die Schnittstelle für einen Roboter mit, den es noch nicht gibt. Ein Humanoide, der die eigene Spülmaschine zuverlässig einräumt und die fremde nicht, ist kein Haushaltshelfer. Er ist Zubehör.
Die Vorgeschichte reicht in den August. Am 13. August unterzeichneten LG und Nvidia im Hauptquartier in Santa Clara eine Absichtserklärung zu Robotik, KI-Fabriken und Mobilität, im Beisein von Konzernchef Koo Kwang-mo und Jensen Huang. Aus der Gruppe kommen die Einzelteile: Aktuatoren von LG Electronics, Sensoren von LG Innotek, Batterien von LG Energy Solution, die Datenplattform von LG CNS. Der geplante Humanoide soll auf Isaac GR00T und Jetson Thor aufsetzen. Eine Pilotlinie für Aktuatoren in Changwon lief im ersten Halbjahr an, die Massenfertigung wird gerade vorbereitet, und der radbasierte CLOiD übt derzeit an einer Waschmaschinenlinie im LG-Werk in Tennessee. Zusätzlich fliessen rund 220 Milliarden Won, etwa 150 Millionen Dollar, in Fertigungskapazität in Virginia, Pyeongtaek und Changwon.
Bei den Zahlen lohnt sich Genauigkeit. 500'000 Stunden sind eine Ambition, kein vorhandener Datensatz, und ein nicht bezifferter Teil davon entsteht in der Simulation. Stückzahlen fehlen, ein Preis fehlt, ein Umsatzziel für die Robotik fehlt. LG sagt selbst, entscheidend sei ein Preis, den Haushalte tatsächlich zu zahlen bereit sind, und genau diese Zahl bleibt offen. Die ersten Kunden sollen Forschung, öffentliche Hand und Fertigung sein, Haushalte kommen zuletzt. Dass die Firma zugleich prüft, Trainingsdaten an Dritte zu verkaufen, zeigt, wo sie den belastbaren Teil des Geschäfts derzeit sieht.
Die Gegenrechnung steht im selben Quartalsbericht. Der Konzernumsatz lag bei 23,8 Billionen Won, 8,9 Prozent mehr als im Vorjahr, der Betriebsgewinn bei 781,9 Milliarden Won und damit 13,5 Prozent höher. Getragen wird dieser Schub von der Rechenzentrumskühlung, deren Auftragsbestand innerhalb eines halben Jahres von 600 Milliarden auf über drei Billionen Won sprang, umgerechnet gut zwei Milliarden Dollar. Dahinter steht unter anderem eine langfristige Chiller-Vereinbarung mit dem nordamerikanischen Anbieter Air Control Concepts für ein Projekt mit fünf Gigawatt geplanter Leistung. Robotik taucht in keiner Segmentzeile auf. LG verdient also am Bau der Rechenzentren, in denen die Modelle trainiert werden, und finanziert damit Roboter, die derselbe Partner mitentwickelt.
Auffällig ist, wie einheitlich die Jahreszahl geworden ist. Panasonic nennt 2029, Kawasaki 2030, LG nun um 2030, und auch Samsung richtet seine Fabriken auf dieses Jahrzehntende aus. Wenn vier grosse Konzerne denselben Horizont angeben, ist das weniger eine Prognose als eine Absprache mit dem Kapitalmarkt. Zu prüfen sind nicht die Ankündigungen, sondern die Zwischenschritte: läuft die Data Factory im vierten Quartal wirklich voll, steht im ersten Quartal 2027 tatsächlich ein zweibeiniger Roboter auf der Bühne, und zu welchem Preis.
Für die Schweiz ist das keine Industriefrage, sondern eine Konsumfrage. Hier wird kein Humanoide gebaut, hier wird einer gekauft, und LG-Geräte stehen in vielen Schweizer Küchen und Waschküchen. Wer 2030 einen Haushaltsroboter möchte, entscheidet sich faktisch schon beim nächsten Gerätekauf für ein Ökosystem, ohne dass auf dem Preisschild etwas davon steht. Dazu kommt der Zeitplan der Regulierung: Die neue EU-Maschinenverordnung gilt ab Januar 2027, also ungefähr dann, wenn LG seinen Prototypen zeigen will, und sie wird für Geräte mit lernenden Komponenten im Wohnbereich die interessanteren Fragen stellen als jede Keynote. Wir verfolgen auf robothub24.ch, welche dieser Zwischenschritte eingehalten werden.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.