Nvidia liefert Ende 2026 einen offenen Referenzroboter für die Humanoiden-Forschung aus. Das Hirn stammt von Nvidia, der Körper von Unitree aus Hangzhou. Genau diese Gerätekategorie bekommt in den USA seit dem 28. Juli keine neue Zulassung mehr.
Symbolbild · KI-generiertNvidia hat Ende Mai an der GTC in Taipei einen offenen Referenzroboter für die Humanoiden-Forschung vorgestellt, und dieser Roboter soll Ende 2026 ausgeliefert werden, also in den nächsten Wochen. Das Hirn stammt von Nvidia, der Körper kommt von Unitree aus Hangzhou, dazu zwei taktile Fünffingerhände der Firma Sharpa, zusammen 75 Freiheitsgrade.
Nur hat die amerikanische Telekomaufsicht FCC am 28. Juli ausländisch gefertigte Humanoide und Roboterhunde auf ihre Verbotsliste gesetzt, womit neue Modelle dieser Kategorie in den USA keine Gerätezulassung mehr erhalten. Von den Laboren, die Nvidia in seiner Mitteilung als künftige Nutzer nennt, stehen drei in den Vereinigten Staaten, und die ETH Zürich steht auf derselben Liste.
Technisch ist das Paket beachtlich. Der Körper misst gut 1,80 Meter, wiegt rund siebzig Kilogramm und bringt einunddreissig Gelenke mit, zu denen die beiden Hände je zweiundzwanzig weitere beisteuern. Gerechnet wird an Bord auf einem Jetson AGX Thor mit 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher, dessen Leistungsaufnahme sich zwischen vierzig und hundertdreissig Watt einstellen lässt, und der Akku hält nach Herstellerangabe etwa drei Stunden. Die Arme heben sieben Kilogramm im Dauerbetrieb und fünfzehn in der Spitze, was für Laborarbeit reicht und für ein Lager nicht.
Interessanter als die Zahlenkolonne ist, was Nvidia unter offen versteht. Offen sind die Modelle und die Werkzeuge, also die GR00T-Modelle auf GitHub und Hugging Face, die Teleoperations-Software zum Sammeln von Demonstrationen, die Simulationsumgebungen Isaac Sim und Isaac Lab sowie die Middleware Isaac ROS. Zu Konstruktionsdaten, Stücklisten oder einer Lizenz für die Hardware steht in der Mitteilung kein Wort. Offen ist das Hirn, der Körper bleibt ein Produkt, das man kaufen muss, und genau dort klemmt es jetzt.
Die Massnahme der FCC verbietet nicht den Besitz und nicht den Weiterverkauf. Sie verhindert, dass neue Modelle die Zulassung bekommen, die sie für den amerikanischen Markt brauchen, während bereits zugelassene Geräte weiter verkauft und betrieben werden dürfen. Für den Referenzroboter heisst das: Entweder lag für dieses Modell vor dem 28. Juli eine Zulassung vor, oder es braucht eine Einzelfallprüfung, für die das amerikanische Kriegsministerium eine bedingte Freigabe erteilen kann. Weder Nvidia noch Unitree äussern sich dazu, und der amerikanische Vertriebspartner wirbt auf seiner Produktseite mit einem exklusiven US-Start Ende 2026, ohne die Zulassung mit einem Satz zu erwähnen. Einen Preis nennt auf dieser Seite ebenfalls niemand.
Jensen Huang sagte zur Vorstellung, humanoide Roboter brächten physische KI in die grössten Industrien der Welt und eröffneten eine wirtschaftliche Chance im Billionenbereich. Marco Hutter vom Robotic Systems Lab der ETH Zürich formulierte es nüchterner und sprach von einer Plattform auf dem Stand der Technik, um Daten zu sammeln, Algorithmen zu testen und Roboterverhalten zu überprüfen. Beide Sätze stimmen, nur hängen sie an einem Gerät, dessen Einfuhr in den grössten Forschungsmarkt der Welt ungeklärt ist.
Im Oktober hat Nvidia an der GTC in Berlin einen zweiten Referenzhumanoiden nachgeschoben, den Agile ONE SN von Agile Robots aus München, der Anfang 2027 kommen soll und mit 1,40 Meter und vierzig Kilogramm deutlich kleiner ausfällt. Dazu kamen die allgemein verfügbare Version von Isaac Lab und ein offenes Echtzeit-Betriebssystem für Roboter. Wer das Muster sehen will, sieht es hier: Nvidia verschenkt die Software, verkauft die Rechenbausteine und überlässt den Körper anderen, wobei die Wahl des Körpers inzwischen eine politische ist.
Für Schweizer Labore ergibt sich daraus eine Lage, über die in Zürich niemand gerne laut spricht. Hierzulande gibt es keine Verbotsliste für chinesische Roboter, Unitree-Geräte sind frei erhältlich und stehen mit Preisen im Verzeichnis von robothub24.ch. Ein Institut in Zürich oder Lausanne kann den Referenzroboter also bestellen, sobald er ausgeliefert wird, während ein kalifornisches Labor möglicherweise auf eine Behörde wartet. Das ist ein Standortvorteil, der nicht aus eigener Stärke entstanden ist, sondern aus einem Handelskonflikt, und er kann so schnell verschwinden, wie er aufgetaucht ist.
Was Nvidia verschenkt, ist die Software, und davon gibt es genug. Knapp wird der Körper, auf dem sie läuft.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.