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Technik23. Oktober 2026

Humanoider Roboter als Nvidia-Referenz: Der zweite in fünf Monaten, und er kommt aus München

Nvidia hat am 21. Oktober an der GTC in Berlin seinen zweiten Referenz-Humanoiden gezeigt, und der Körper dazu kommt von Agile Robots aus München. Lieferbar sein soll die Maschine Anfang 2027, einen Preis nennt keine der beiden Firmen. Chip und Robotermodell stammen wie beim ersten Referenzgerät vom Juni von Nvidia.

Humanoider Roboter als Nvidia-Referenz: Der zweite in fünf Monaten, und er kommt aus MünchenSymbolbild · KI-generiert

Am 21. Oktober stellte Nvidia auf der GTC in Berlin einen Referenz-Humanoiden vor, den Nvidia nicht baut. Der Körper heisst Agile ONE SN, kommt von Agile Robots aus München, ist 1,40 Meter hoch und bringt mit zwei fünffingrigen Händen 71 Gelenke mit. Gerechnet wird auf Nvidias Jetson Thor, gesteuert über dessen Robotermodell GR00T. Lieferbar ab Anfang 2027, einen Preis nennt niemand.

Es ist Nvidias zweiter Referenz-Humanoide innerhalb von fünf Monaten, im Juni trug er noch ein Chassis von Unitree aus Hangzhou. Der Körper wechselt den Kontinent, Chip und Modell bleiben dieselben, und wer die Referenz setzt, bestimmt damit nicht die Bauform, sondern worauf die nächste Generation Roboterforschung rechnet. Zum gleichen Termin greift in Europa die neue Maschinenverordnung.

Das eigentliche Argument sind die Hände. Zwei Wuji-Hände mit je zwanzig Freiheitsgraden sitzen an den Armen, regeln die Kraft im Kilohertz-Takt und melden Berührung zurück. Bei drei Kilogramm Nutzlast pro Arm und bis zu 140 Newtonmetern Gelenkmoment entscheidet diese Rückmeldung darüber, ob ein Griff hält oder ein Bauteil zerdrückt wird. Dazu kommen Kameras am Kopf und an den Handgelenken, ein Lidar und eine Trägheitsmessung, und Agile Robots verspricht, dass ein Labor damit in Tagen arbeitsfähig ist statt in Wochen, weil Treiber, Simulationsmodelle und Lernumgebung bereits zueinander passen.

Mit diesem Zusammenpassen verdient Nvidia sein Geld. Auf dem Roboter läuft GR00T 1.7, ein offenes Modell, das Bild und Sprache in Bewegung übersetzt. Dazu liefert Nvidia die Ganzkörpersteuerung und jene Dateien, mit denen sich dieselbe Maschine in Isaac Sim und Isaac Lab virtuell nachbauen lässt. Isaac Lab 3.0 ist seit der Berliner Messe allgemein verfügbar, ebenso ein Laufzeitsystem namens Isaac OS und eine Bibliothek mit mehr als zweitausend simulationsfertigen Fabrikbauteilen. Offen ist dabei nicht alles: Der neue Datensatz Human 1M, der menschliche Tätigkeiten aus drei Blickwinkeln mit Handverfolgung zeigt, steht vollständig nur den Partnern der sogenannten Cosmos Coalition zur Verfügung.

Der Vergleich mit dem Juni ist lehrreich, denn damals hiess der Referenzroboter H2 Plus, war mit 1,82 Metern und rund siebzig Kilogramm deutlich grösser, kam aus Hangzhou und sollte Ende 2026 zu haben sein. Ein verbindlicher Preis wurde auch dort nie genannt, im Handel kursieren Zahlen zwischen 95'000 und 150'000 Dollar, keine davon bestätigt. Identisch war und bleibt der Rechner: ein Jetson AGX Thor mit 2070 Teraflops in niedriger Genauigkeit und 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher. Zwei Chassis, zwei Kontinente, ein Lieferant für das Gehirn.

Beim Thema Sicherheit wird die Ankündigung vorsichtig. Nvidia schreibt von einer geplanten Anbindung an Halos, das eigene Sicherheitssystem für Robotik, Agile Robots formuliert noch zurückhaltender und spricht davon, eine Integration zu prüfen. Gleichzeitig führt Nvidia die Münchner als Halos-Partner, und an der Zertifizierung arbeiten Accenture, TÜV SÜD und Reynolds & Moore, abgeschlossen ist nichts davon. Für ein Forschungsgerät mit Not-Aus-Taster mag das genügen, doch der Weg in die Halle führt über Normen, und Südkorea hat seine Regeln für den zaunlosen Betrieb bereits geschrieben, während Europa noch wartet.

Agile Robots ist kein Startup mehr, das sich hinter einem Prototypen versteckt. Die Firma entstand 2018 aus dem DLR, beschäftigt nach eigenen Angaben über 3500 Menschen und hat sich mit Franka Robotics, idealworks, BÄR Automation und Krause Automation eine Gruppe zusammengekauft, die mehr als 20'000 Roboterinstallationen zählt. Auf derselben Messe zeigte sie mit Audi und Dassault Systèmes einen Versuch im Werk Ingolstadt, bei dem mobile Humanoide Teile aus gemischten Behältern greifen und in Montagereihenfolge legen. Audi nennt das ausdrücklich einen Machbarkeitsnachweis, keinen Serieneinsatz, und nennt weder Stückzahl noch Zeitplan.

Die Schweiz kommt in beiden Mitteilungen vor, aber in der Rolle des Anwenders. Nvidia nennt die ETH Zürich neben Stanford als interessierte Einrichtung, und Hexagon in Zürich liefert mit seinem Roboter AEON Wahrnehmungstechnik in die Plattform. Wer hierzulande ein solches Gerät beschaffen will, wird es importieren, in Euro oder Dollar bezahlen und sich bei der Inbetriebnahme an europäisches Maschinenrecht halten. Die Preise lieferbarer Modelle, wie sie auch im Verzeichnis von robothub24 stehen, zeigen dabei bislang eher nach oben als nach unten.

Marco Hutter vom Robotic Systems Lab der ETH sagte im Juni zum ersten Referenzentwurf, er gebe seinen Teams eine hochmoderne Plattform, um Daten zu sammeln, Algorithmen zu testen und Verhalten zu prüfen. Der Satz passt jetzt ein zweites Mal, auf einen anderen Körper aus einem anderen Land. Jensen Huang nannte in Berlin den ChatGPT-Moment der Robotik heraufziehend, doch bei einer Maschine, deren Preis niemand nennt, bleibt vorerst offen, für wen dieser Moment bezahlbar ist.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.