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Markt22. Oktober 2026

Tesla Optimus geht in Produktion: Bewiesen ist der Prozess, nicht der Roboter

Tesla hat am 21. Oktober den Produktionsstart von Optimus in Fremont bestätigt, nennt aber keine Stückzahl, keinen Preis und keinen Kunden. Bewiesen sei der Fertigungsprozess, sagt der Konzern, am Design werde noch gearbeitet. Bis zur Zielrate von 20'000 Robotern pro Woche brauche es laut Elon Musk mindestens ein Jahr.

Tesla Optimus geht in Produktion: Bewiesen ist der Prozess, nicht der RoboterSymbolbild · KI-generiert

Am Mittwochabend hat Tesla den Satz geliefert, auf den die Branche seit zwei Jahren wartet: Die Produktion von Optimus habe in Fremont auf den Hochvolumenlinien begonnen, und die Maschinen seien die ersten in Produktionsqualität. Eine Stückzahl steht nirgends, ein Preis auch nicht, ein Kunde ebenso wenig. Der Quartalsgewinn fiel auf 787 Millionen Dollar, 43 Prozent weniger als im Vorjahr.

Entscheidend ist die Formulierung. Tesla erklärt nicht den Roboter für fertig, sondern den Fertigungsprozess für bewiesen und für ein kommerzielles Produkt geeignet. Musk räumte in derselben Telefonkonferenz ein, am Design müsse weiter gearbeitet werden, weil eine solche Maschine nicht nach einem Monat verschleissen dürfe. Bewiesen ist die Linie, nicht das Gerät darauf.

Wie flach der Anlauf wird, hat der Konzernchef selbst beschrieben. Bis zur angestrebten Rate von 20'000 Robotern pro Woche brauche es "mindestens ein Jahr, vielleicht etwas länger", und das Wachstum folge einer S-Kurve, deren erster Abschnitt eine sehr flache Steigung habe. Ausserhalb von Tesla soll frühestens gegen Ende 2027 eine Maschine ankommen, was Musk mit einem Nebensatz verband, der in der Branche für Gesprächsstoff sorgte: Er erwarte, dass die offenen Punkte "etwa Ende nächsten Jahres" gelöst seien.

Diese 20'000 pro Woche sind keine Fabrikgrösse, sondern eine Ansage an die ganze Automatisierungsbranche. Hochgerechnet wären es gut eine Million Roboter im Jahr, während weltweit 2025 nach Zählung des Branchenverbands IFR etwas mehr als 600'000 Industrieroboter neu installiert wurden, über alle Hersteller und alle Anwendungen hinweg. Tesla müsste also eine Industrie verdoppeln, die seit sechzig Jahren an ihren Lieferketten feilt, und zwar mit einem Produkt, dessen Haltbarkeit der eigene Chef offen in Frage stellt.

Die Linie selbst ist das Ergebnis eines Abschieds. Dort, wo bis Anfang Mai Model S und Model X montiert wurden, stehen heute die Optimus-Vorrichtungen, langfristig ist die Halle in Kalifornien auf eine Million Einheiten pro Jahr ausgelegt. In Texas wächst die zweite Fabrik, Spatenstich war Ende März, im September zeigten Drohnenbilder ein fast fertiges Stahlgerüst. Im Quartalsbericht trägt Kalifornien den Status "Early Ramp", Texas den Status "Construction", und mehr Zahlen gibt es zu beiden nicht.

Was die ersten Geräte tun, nennt Tesla "Optimus Academy". Die Roboter üben Aufgaben und erzeugen dabei Trainingsdaten, Kundenarbeit ist nicht vorgesehen, und Musk versprach ein Video dazu in einem oder zwei Monaten. Das ist dieselbe Logik wie im Frühjahr, als die ersten Optimus intern blieben, nur mit einem Namen darüber. Auf der Softwareseite bleibe "noch eine ganze Menge zu tun", bevor der Roboter für offene Aufgaben wirklich nützlich sei, sagte Musk, und das ist die eigentliche Nachricht dieses Quartals: Die Mechanik ist handhabbar geworden, die Intelligenz nicht.

Finanziell zeigt das Quartal, was dieser Umbau kostet. Der Umsatz blieb mit gut 28 Milliarden Dollar praktisch auf Vorjahresniveau, die Bruttomarge erholte sich auf 19,6 Prozent, doch das Betriebsergebnis sackte um 56 Prozent auf 718 Millionen Dollar ab. Die Forschungsausgaben kletterten um 69 Prozent auf 2,76 Milliarden, die Investitionen auf 4,73 Milliarden und damit mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts. Wer wissen will, wohin das Geld fliesst, findet die Antwort in diesen beiden Zeilen und nicht in der Gewinnrechnung.

Für die Einordnung lohnt der Blick zurück auf die Versprechen. Im Januar 2025 kündigte Musk rund 10'000 gebaute Optimus für dasselbe Jahr an, mehrere tausend davon sollten nützliche Arbeit verrichten; ein Jahr später gab er zu, dass bei Tesla kein einziger Roboter nützliche Arbeit verrichtete. Gegen diese Vorgeschichte ist ein Satz über einen bewiesenen Fertigungsprozess tatsächlich ein Fortschritt, nur eben ein kleinerer, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Schweizer Betriebe, die mit dem Gedanken spielen, einen Humanoiden einzusetzen, sollten aus dieser Ankündigung vor allem eine Reihenfolge lesen. Zuerst bedient Tesla sich selbst, dann amerikanische Firmen, und erst danach wird über Export gesprochen. Wer früher etwas Arbeitendes in der Halle haben will, landet bei chinesischen Anbietern oder bei europäischen Herstellern mit kleinen Serien, etwa bei Hexagon aus Zürich, dessen AEON bereits in einer Bestellung über tausend Maschinen steckt. Dazu kommt ein formaler Punkt, der in der Euphorie untergeht: Ein Satz im Aktionärsbericht ist keine Konformitätserklärung. Wer hier eine Maschine in Betrieb nimmt, braucht Unterlagen nach Maschinenrecht, eine Risikobeurteilung und einen Betreiber, der dafür einsteht.

Am treffendsten hat Musk die Lage selbst beschrieben, als er die Zahl der offenen Baustellen schätzte. Rund 10'000 Dinge müssten für die Serienfertigung des Roboters richtig laufen, sagte er, und die Sache gehe so schnell voran wie das langsamste und unglücklichste dieser 10'000.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.