Die US Army liess neun humanoide Roboter antreten, der Sieger klappte beim Erdeschaufeln zusammen, das Preisgeld betrug 490'000 Dollar. Bewaffnet und freigegeben ist bisher nur der vierbeinige Roboter. Kein Humanoid hat in einem Krieg je eine Waffe abgefeuert.
Symbolbild · KI-generiertAm 10. September liess die US Army auf der Marine Corps Base Quantico neun humanoide Roboter gegeneinander antreten, Checkpoint sichern, Graben überqueren, Feuer löschen. Gewonnen hat Alex vom Institute for Human and Machine Cognition, ein Humanoid mit ballistischem Schutz, der beim Erdeschaufeln zusammenklappte. Das gesamte Preisgeld des Wettbewerbs betrug 490'000 Dollar.
Mehr hat die stärkste Armee der Welt für den Robotersoldaten bisher nicht offengelegt. Im selben Jahr bekam Anduril für Drohnenabwehr-Software ein Vertragsvehikel über zwanzig Milliarden. Und bis heute hat kein humanoider Roboter in einem Krieg eine Waffe abgefeuert, obwohl inzwischen mehrere Firmen genau damit werben.
Am weitesten geht Foundation Future Industries aus San Francisco, inzwischen mit 24 Millionen Dollar an Forschungsverträgen von Army, Navy und Air Force. Mitgründer Mike LeBlanc, vierzehn Jahre beim Marine Corps, formuliert den Zweck ohne Umschweife: Es gebe ein moralisches Gebot, diese Roboter statt Soldaten in den Krieg zu schicken. Chief Strategy Adviser ist Eric Trump, was Senatorin Elizabeth Warren zur Frage veranlasste, ob das Pentagon eine Geldmaschine für die Kinder des Präsidenten sei.
Zwei Phantom MK-1 dieser Firma gingen im Februar in die Ukraine, der bisher einzige Fronttest eines Humanoiden überhaupt. Sie trugen Material und erkundeten, geschossen haben sie nicht. Der ukrainische Befund fiel nüchtern aus: zwanzig Kilo Nutzlast, nicht wasserdicht, Akku zu knapp, und die Maschine verliert häufig das Gleichgewicht. Posiert hat derselbe Phantom trotzdem, bei einer Firmendemonstration mit Revolver, Schrotflinte und einer M-16-Attrappe.
Bewaffnet und freigegeben ist etwas anderes, nämlich der Vierbeiner. Das US-Kommando für Spezialoperationen hat im Mai den CODiAQ des Herstellers Skyborne zur Erprobung zugelassen, 6,5 Millionen Dollar für vierzehn Plattformen und achtundzwanzig Waffenmodule, und diesen Monat üben Operatoren damit scharf. Schon 2023 feuerten Marines von einem Roboterhund aus eine Panzerabwehrrakete ab, der Hund kann also längst, was der Humanoid bisher nur andeutet.
In China hat Reuters im September über hundert Beschaffungsausschreibungen, Patente und Studien ausgewertet. Gefunden hat die Agentur eine Ausschreibung für den Kauf eines einzelnen Humanoiden, eine Modellstudie mit sechs Kampfrobotern für den Häuserkampf und ein Budget von rund 300'000 Dollar für das Beschriften von Sensordaten. Einen bewaffneten Humanoiden bei einer operativen Einheit fand sie nicht.
Russland fällt in dieser Rechnung fast aus, denn Jewgeni Dudorow, die zentrale Figur des russischen Androidenbaus, sagte im Juli, Kampf-Androiden kämen frühestens in fünf Jahren zur Truppe, weil sie fürs Militär schlicht zu teuer seien. Die ukrainische Sechsmonatsfrist für den ersten von einem Humanoiden getöteten Soldaten war hier schon Thema; inzwischen ist belegt, dass jede Maschine im Ankündigungsvideo ein KI-Rendering war und weder eine Firma noch ein Budget dahintersteht.
Was an dieser Front wirklich fährt, sind Kisten auf Rädern und Ketten. Im April zählte das ukrainische Verteidigungsministerium 11'028 Einsätze von Bodenrobotern in einem einzigen Monat, und von den im ersten Halbjahr neu zugelassenen Modellen war keines zweibeinig. Rund achtundneunzig Prozent dieser Einsätze sind Nachschub und Verwundetentransport.
Den ehrlichsten Satz zur Lage sagt ausgerechnet einer der Gewinner aus Quantico. Robert Griffin vom Institute for Human and Machine Cognition erklärte den Army Times am 16. Oktober, kein existierender Roboter verbinde hohes Tempo, schwere Lasten und vierundzwanzig Stunden Ausdauer. Über Leben und Tod sollten Roboter ohnehin nicht entscheiden, weil sich heutige KI zu leicht verwirren lasse. Ein Humanoid hängt an rund zwanzig Motoren, von denen jeder einzelne funktionieren muss.
Geregelt ist von alldem bisher nichts. Die Expertengruppe der Vereinten Nationen beendete ihr Dreijahresmandat am 4. September in Genf ohne Vertrag und ohne Verhandlungsauftrag, und aus dem Schlusstext verschwanden auf Betreiben der USA und Russlands die Verweise auf Ethik, Vorhersehbarkeit und Erklärbarkeit. Entschieden wird im November an der Überprüfungskonferenz, wieder in Genf. Die Schweiz gehört zu den 76 Staaten, die verhandeln wollen, fordert aber kein pauschales Verbot.
Für Schweizer Hersteller hängt die entscheidende Frage ohnehin nicht am Kunden, sondern an der Konstruktion. Ein Roboterhund gilt nach Artikel 5 des Kriegsmaterialgesetzes erst dann als Kriegsmaterial, wenn er speziell für den Kampfeinsatz gebaut oder abgeändert wurde, und ein handelsüblicher ANYmal bleibt damit bewilligungsfrei, auch wenn ihn eine Armee kauft. Péter Fankhauser von ANYbotics will trotzdem nichts damit zu tun haben: Man sei strikt dagegen und mache keine Einsätze in bewaffneten Konflikten.
Die Armee selbst forscht derweil in Thun, wo das Swiss Drone and Robotics Centre einen fernsteuerbaren Schreitbagger und einen Unterwasserroboter an die Truppe übergeben hat und im Juni die europäische Landroboter-Übung ELROB mit 21 Teams ausrichtete. Von Bewaffnung steht in diesen Publikationen kein Wort. Wie dünn die Linie ist, zeigt eine andere Zürcher Gründung: Auterion, 2017 aus ETH-Forschung entstanden, lieferte im Juli für 50 Millionen Dollar 33'000 Zielführungskits für ukrainische Drohnen. Gründer Lorenz Meier sagt dazu den Satz, an dem in Genf die ganze Debatte hängt: Die Technik stelle sicher, dass die Zielentscheidung beim Menschen bleibe.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.