Agility verkauft den humanoiden Roboter Digit 5 mit 20 Arbeitsstunden pro Tag, 90 Minuten Betrieb und neun Minuten Ladezeit. Die Zahl kommt aus Cambridge. Geliefert wird der Roboter mit diesem Akku erst 2027, und zu dessen Kapazität, Gewicht und Zyklenzahl schweigen beide Firmen.
Symbolbild · KI-generiertAm 15. Oktober hat Agility Robotics bekanntgegeben, wer den Akku für den Humanoiden Digit 5 liefert, und damit die Zahl nachgeschoben, mit der dieser Roboter verkauft wird: 90 Minuten Arbeit, neun Minuten Laden. Daraus rechnet der Hersteller aus Oregon mehr als 20 produktive Stunden pro Tag, mehr als zwei volle Schichten.
Die entscheidende Kennzahl kommt damit nicht aus der Robotik, sondern von einem Batterie-Startup aus Cambridge, an das sich Agility exklusiv gebunden hat. Kapazität, Gewicht, Ladeleistung und Zyklenzahl nennt keine der beiden Firmen. Geliefert wird der Roboter mit diesem Akku erst im ersten Halbjahr 2027, und bis dahin arbeitet die Zahl vor allem an der Börse, denn Agility geht gerade über eine Mantelgesellschaft an die Nasdaq.
Beim Digit 4 lag das Verhältnis von Arbeit zu Ladezeit bei zwei zu eins, beim Digit 5 soll es zehn zu eins sein. Den Sprung liefert Nyobolt, 2019 in Cambridge gegründet und in der Robotikbranche längst kein Unbekannter mehr.
Im Mai sammelte die Firma 60 Millionen Dollar zu einer Bewertung von einer Milliarde ein, angeführt von Symbotic, also von einem Lagerautomatisierer, der die Technologie selbst gut gebrauchen kann. Was den Akku schnell macht, umschreibt Nyobolt als eigene Anodenmaterialien, ein spezielles Zellendesign und integrierte Leistungselektronik. Mehr steht nicht in der Mitteilung, und das ist für eine Zahl, die ein Geschäftsmodell trägt, auffallend wenig.
Der Digit 5 war im September vorgestellt worden und ist deutlich mehr Maschine als sein Vorgänger. Er ist 1,81 Meter hoch und 129 Kilogramm schwer, greift bis in eine Höhe von 2,2 Metern und hebt Lasten bis 22,7 Kilogramm, was rund 40 Prozent über dem Digit 4 liegt. Die Beine arbeiten mit einem eigens entwickelten Zykloidgetriebe, die Greifer lassen sich über ISO-Flansche wechseln, und für die Sicherheit sorgt ein unabhängiger Controller, der den Roboter anhält, ohne auf die übrige Software zu warten.
Warum Agility so viel Gewicht auf die Betriebszeit legt, erklärt die eigene Rechnung vom Investorentag. Der Roboter soll zur Miete rund 8500 Dollar im Monat kosten, und diese Miete rechnet sich für den Kunden nur, wenn das Gerät möglichst lange läuft. «Für unsere Kunden ist die Verfügbarkeit von Digit der Business Case», sagt Daniel Diez, der bei Agility das Geschäft verantwortet, und genau dieser Satz erklärt, weshalb bei einem Roboterhersteller eine Batteriemitteilung zur Hauptnachricht wird.
Belegt ist bislang nur der Vorgänger, und zwar mit 65'000 Betriebsstunden bei Kunden wie GXO, Schaeffler, Amazon und Toyota. In einem GXO-Lager bei Atlanta hat ein Digit 4 rund 100'000 Behälter bewegt, bei einer Treffsicherheit von etwa 98 Prozent. Der viel zitierte Auftragsbestand für den Digit 5 stammt dagegen laut den Börsenunterlagen von einem nahestehenden Kunden und wird in Tranchen freigegeben, abhängig davon, welche Aufgaben der Roboter beherrscht.
Die schnelle Ladung hat eine Kehrseite, die in keiner Mitteilung steht. Wer in neun Minuten einfüllt, was neunzig Minuten reichen soll, zieht beim Laden ungefähr zehnmal so viel Leistung, wie der Roboter im Betrieb verbraucht, und das ist in einer Halle keine Roboterfrage mehr, sondern eine des Netzanschlusses und der Lastspitzen. Dazu kommt die Alterung, denn gerade sehr schnelles Laden strapaziert Zellen am stärksten. Nyobolt führt eine hohe Zyklenfestigkeit ausdrücklich als Stärke auf, nennt dazu aber keine Zahl.
Und zwanzig Arbeitsstunden setzen voraus, dass in einem Betrieb überhaupt zwanzig Stunden Arbeit anfallen. In den meisten Lagern ist das nicht der Fall, weshalb der Gewinn an Betriebszeit vor allem dort ankommt, wo heute schon in drei Schichten gearbeitet wird oder wo Nachtarbeit für Menschen besonders teuer ist.
Damit wird die Zahl für die Schweiz interessanter als für Ohio. Nachtarbeit ist hier bewilligungspflichtig, und wer sie vorübergehend anordnet, zahlt einen Lohnzuschlag von 25 Prozent, bei dauernder Nachtarbeit kommt stattdessen ein Zeitzuschlag von 10 Prozent dazu. Eine Maschine kennt beides nicht, womit dieselben zwanzig Stunden in einem Hochlohnland mehr wert sind als in einem amerikanischen Verteilzentrum.
Kaufen kann man den Digit hier allerdings weiterhin nicht. Der Digit 5 soll zwar als erstes Agility-Modell überhaupt aus Nordamerika herauskommen, zuerst in die EU und nach Grossbritannien, mit CE-Zeichen und frühem Zugang im ersten Halbjahr 2027. Die Schweiz steht auf keiner dieser Listen, was formal wenig ändert, weil die schweizerische Maschinenverordnung auf das EU-Recht verweist und ein CE-gekennzeichnetes Gerät auch hier in Verkehr gebracht werden darf. Praktisch heisst es, dass im Modellvergleich auf robothub24.ch bei Digit vor 2027 weder ein Preis noch ein Händler stehen wird.
Dass Schaeffler auf der Kundenliste auftaucht, passt übrigens ins Bild, denn derselbe Konzern hat im September in Zürich tausend Inspektionsroboter bei Hexagon bestellt. Industriekonzerne kaufen Robotik inzwischen nicht mehr bei einem Anbieter, sondern dort, wo eine einzelne Aufgabe sauber gelöst ist.
Am aufschlussreichsten ist eine Zeile im Kleingedruckten der Börsenunterlagen. Dort steht die Abhängigkeit von Nyobolt als exklusivem Batterielieferanten unter den Risiken für die Anleger. Dieselbe Partnerschaft, die den Roboter verkaufen soll, ist im eigenen Prospekt eine Gefahr.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.