Südkorea lässt 20 zweibeinige Roboter ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten, in Halbleiterwerk, Autofabrik, Werft und Kühllager. Aus den Betriebsdaten soll die künftige Sicherheitsnorm entstehen. Europa und der Schweiz fehlt eine Stelle, die eine Sicherheitsregel für einen Versuch befristet aussetzen kann.
Symbolbild · KI-generiertSüdkorea hat am 13. Oktober zwanzig zweibeinigen Robotern erlaubt, ohne Schutzzaun neben Menschen zu arbeiten. Das Industrieministerium erteilte dem Seouler Hersteller Robros eine Ausnahme und liess die Geräte in vier Branchen zu: Halbleiterfertigung bei Nepes, Karosseriebau bei Sungwoo Hitech, Schiffbau bei HD Hyundai Samho und Kühllogistik bei Delivery Lab. Bisher war so etwas nur als Einzelfall je Firma möglich.
Die geltenden Normen setzen eine festgeschraubte Maschine voraus und verlangen, dass ein Zaun den Menschen vom Arbeitsbereich trennt. Genau diese Annahme setzt Seoul für den Versuch aus, mit erklärter Absicht: Aus den Betriebsdaten soll die künftige Norm entstehen. Wer die Daten erzeugt, schreibt am Ende die Regel, nach der alle anderen bauen.
Robros ist dabei kein Grosskonzern, sondern ein Betrieb aus dem Seouler Bezirk Seongdong, der als Roboter-Café-Geschäft angefangen hat und Hardware wie KI selbst entwickelt. Vom Industriemodell Egris-C hat die Firma bisher 18 Stück verkauft und will bis Ende Jahr auf über fünfzig kommen. Geschäftsführer Noh Seung-joon sagt, die Revolution der Humanoiden beginne in Fertigung und Logistik, und erst wenn genügend Daten und ein konkurrenzfähiger Preis zusammenkämen, werde sich der Einsatz auf Dienstleistungen und Haushalte ausweiten.
Die vier Arbeiten, die bewilligt wurden, klingen bewusst unspektakulär. In der Halbleiterfabrik putzt der Roboter runde Bauteile aus der Chip-Montage, im Autowerk setzt er Karosserieteile in die vorgesehene Position, auf der Werft stapelt er die Klammern, mit denen Arbeitsbühnen am Schiffsrumpf befestigt werden, und im Kühllager bewegt er Verpackungseinheiten. Keine dieser Tätigkeiten braucht einen Humanoiden, ein fest montierter Arm oder ein Fahrroboter könnte sie auch erledigen. Entscheidend ist, dass die Maschine dabei durch denselben Raum läuft wie die Belegschaft, weil nur so die Daten entstehen, die bisher niemand hat.
Ganz freihändig läuft der Versuch nicht, denn die Bewilligung hängt an Risikobeurteilungen und Schutzmassnahmen, die das Arbeitsministerium abnimmt. Am selben Sitzungstag erlaubte dasselbe Gremium ausserdem erstmals Patrouillen von vierbeinigen Robotern auf Fusswegen: Das Unternehmen Maum AI darf seine Geräte auf Uferwegen und in Parks der Stadt Cheonan einsetzen, wo sie die Lage auswerten und bei Gefahr Hinweise ausgeben. Bilder gehen an eine Leitstelle.
Zweifel sind angebracht, und sie haben in Südkorea einen konkreten Namen. Das Land hat mit 1220 Industrierobotern je 10'000 Beschäftigten die höchste Roboterdichte der Welt, bei einem globalen Mittel von 132, und es hat Erfahrung damit, was schiefgeht. Im November 2023 erdrückte in einem Gemüsebetrieb in Goseong ein Greifroboter einen Techniker, der die Anlage prüfen sollte und mit einer Kiste in dessen Arbeitsbereich stand. Der Zaun war damals nicht das Problem, sondern die Frage, wer wann wo stehen durfte. Genau diese Frage wird mit laufenden Maschinen schwieriger, nicht einfacher.
Für Europa ist der Vorgang unangenehm, weil hier das Gegenteil passiert. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung, die regelt, unter welchen Bedingungen ein Gerät auf den Markt kommt, aber nicht, wie es im Betrieb neben Menschen eingesetzt werden darf. Das steht im nationalen Arbeitsschutzrecht, und dort fehlt für laufende Maschinen bis heute die passende Norm. Die ISO 25785-1, die mobile Roboter mit Beinen behandeln soll, ist noch Entwurf im Komitee. Ohne Betriebsdaten wird daraus auch kein fertiger Text, und Betriebsdaten entstehen nur dort, wo jemand den Versuch zulässt.
In der Schweiz ist die Lage besonders still. Mit 294 Robotern je 10'000 Beschäftigten liegt das Land im europäischen Mittelfeld, und wer hier einen zweibeinigen Roboter neben die Belegschaft stellen will, macht das unter dem bestehenden Arbeitsschutzrecht, mit eigener Risikobeurteilung und der Suva als Aufsicht im Rücken. Eine Stelle, die eine Sicherheitsregel für einen befristeten Versuch aussetzt, gibt es nicht. Der Kanton Zürich betreibt zwar seit 2022 eine Innovation-Sandbox, doch die ist für KI-Anwendungen gedacht und nicht für Maschinensicherheit in der Werkhalle.
Praktisch heisst das, dass ein Schweizer Betrieb, der heute Interesse an einem Humanoiden anmeldet, von keinem Hersteller belastbare Ausfallzahlen bekommt und von keiner Norm eine klare Vorgabe, wie weit die Maschine vom Menschen wegbleiben muss. In den Anfragen, die bei robothub24 eintreffen, ist das die wiederkehrende Frage, und sie lässt sich bis heute nur mit einer eigenen Risikobeurteilung beantworten. Die Antwort aus Korea wird in zwölf bis achtzehn Monaten vorliegen, in koreanischen Dokumenten, erstellt von einem koreanischen Hersteller.
Handelsminister Kim Jung-kwan sagte zur Begründung, die KI-Technik entwickle sich so schnell, dass die Regulierung kaum mitkomme, und der Staat müsse institutionelle Engpässe wegräumen. Das ist Industriepolitik mit dem Vokabular des Arbeitsschutzes, und sie ist billig zu haben: Südkorea installierte im vergangenen Jahr 30'200 neue Industrieroboter, China 354'200. Zwanzig laufende Maschinen verschieben dieses Verhältnis nicht. Die Papiere, die sie erzeugen, könnten es.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.