robothub24
Zurück
Branche13. Oktober 2026

Humanoider Roboter im Supermarkt: Føtex räumt nachts ein, und ein Mensch lenkt jeden Griff

In einer Føtex-Filiale bei Kopenhagen räumt nachts ein humanoider Roboter von Unitree die Regale ein, jede Bewegung gesteuert von einem Menschen am Bildschirm. Føtex sagt, 40 bis 50 Prozent der Arbeitszeit gehen ins Einräumen. Vermietet wird die Nachtschicht zum Stundensatz, Fernpilot inbegriffen.

Humanoider Roboter im Supermarkt: Føtex räumt nachts ein, und ein Mensch lenkt jeden GriffSymbolbild · KI-generiert

In einer Føtex-Filiale bei Kopenhagen arbeitet nachts ein humanoider Roboter, und am 11. Oktober gingen die ersten Bilder davon durch Europas Medien. Das Gerät stammt von Unitree aus China, hergerichtet hat es das dänische Startup HIVE Robots, und seit Juni füllt es Regale, während der Laden geschlossen ist. Jede Bewegung steuert dabei noch ein Mensch am Bildschirm.

Interessant ist der Versuch wegen der Rechnung dahinter. Føtex sagt, seine Leute verbringen 40 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mit dem Einräumen, und die Salling Group betreibt über 2000 Filialen in sechs Ländern. HIVE verkauft die Roboter nicht, sondern vermietet Nachtschichten zum Stundensatz, Fernpilot inbegriffen. Dieser Pilot ist der Haken, denn vorerst betreut ein Bediener ein Gerät.

Wer das Programm dahinter liest, merkt, wie früh die Sache steht. HIVE sucht für 2027 je einen Startpartner pro Land und beschreibt den Ablauf in vier Etappen: ein bis zwei Monate Aufbau, dann drei Monate mit einem Roboter in einer Filiale, acht Stunden pro Nacht, sieben Nächte in der Woche. Erst danach kommen drei Roboter in denselben Laden, und erst in der vierten Etappe soll die Flotte auf mindestens zehn Filialen mit je drei Geräten wachsen, eine neue Filiale pro Woche. Zwei der Länderplätze waren Mitte Oktober noch frei, und die Schweiz ist einer der Kandidaten, auf die bisher niemand einen Namen geschrieben hat.

Technisch ist der Unterbau bewusst billig gewählt. Der Unitree G1 kostet in der Grundversion rund 16'000 Dollar und ist damit das günstigste ernsthafte Zweibeinmodell am Markt, 140 bis 180 Zentimeter hoch, was für das unterste und das oberste Regalbrett reichen soll. Der eigentliche Aufwand liegt in der Software und in der Leitstelle, die HIVE Heimdall nennt und von der aus ein geschulter Pilot eingreift, sobald der Roboter nicht weiterkommt. Dass es dafür ausgerechnet ein Humanoid sein muss, ist keineswegs ausgemacht, denn die schwedische Kette ICA lässt parallel fahrende Cota-Roboter Ware einräumen, und in deutschen dm- und Rewe-Filialen zählen seit Jahren Fahrzeuge nachts die Bestände, ohne Arme und ohne Beine.

Vor dem Kundenkontakt steht in Dänemark das Gesetz, denn damit ein Roboter tagsüber zwischen Einkaufswagen und Kindern arbeiten darf, müsste die Rechtslage geändert werden, weshalb der Versuch in die Stunden nach Ladenschluss verlegt wurde. Føtex betont, es gehe nicht um Entlassungen, sondern darum, das Personal von der stumpfen Schlepparbeit zu befreien. Das klingt freundlich, lässt aber offen, was mit den Stunden passiert, die dadurch frei werden.

In der Schweiz wäre die Nächtefrage noch verzwickter. Nachtarbeit zwischen 23 und 6 Uhr ist nach den Artikeln 16 und 17 des Arbeitsgesetzes grundsätzlich untersagt und nur mit Bewilligung möglich, bei dauernder Nachtarbeit muss der Betrieb deren Unentbehrlichkeit nachweisen. Wer regelmässig nachts arbeitet, hat zudem Anspruch auf zehn Prozent Zeitzuschlag. Ein Roboter fällt unter keine dieser Regeln, sein Fernpilot hingegen schon. Wird die Leitstelle in Zürich betrieben, bleibt die Nachtarbeit samt Zuschlag im Land, sitzt der Pilot in einer anderen Zeitzone, verschwindet sie aus der schweizerischen Statistik, ohne dass irgendwo weniger gearbeitet würde. Das ist kein technisches Detail, sondern die eigentliche arbeitsmarktpolitische Frage an diesem Modell.

Nach Autonomie sieht die aktuelle Schicht jedenfalls nicht aus, denn ein Mensch führt jeden Griff und das Tempo liegt deutlich unter dem des Personals. Das Ziel, bis Anfang 2027 selbstständig einzuräumen, ist dasselbe Versprechen, das die halbe Branche für dasselbe Jahr abgibt. Realistisch ist vorerst das Zwischenziel von zwei Bedienern auf drei Roboter, womit aus einem bezahlten Piloten pro Maschine erstmals ein Verhältnis würde, bei dem die Rechnung überhaupt aufgehen könnte. Erst dann lässt sich sagen, ob eine Robotermietstunde günstiger ist als eine Nachtschicht mit Zuschlag.

Was den Versuch für Schweizer Verhältnisse lesenswert macht, ist nicht der Roboter, sondern die Offenheit über die Zahlen. Ein Detailhändler, der öffentlich sagt, dass bis zur Hälfte der Arbeitszeit in seinen Filialen ins Regalauffüllen geht, liefert eine Kennzahl, an der sich jedes Automatisierungsversprechen messen lässt. In den Datenblättern, die wir bei robothub24.ch zu solchen Geräten führen, steht dieser Wert nirgends, und er entscheidet mehr als die Traglast.

HIVE will seine Startpartner gegen Ende 2026 bestätigen. Wer zuschlägt, bekommt für 2027 einen Roboter, eine App und einen Menschen, der die ganze Nacht zuschaut.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.