Was ein humanoider Roboter tatsächlich kostet, war bisher ein gut gehütetes Geheimnis der Branche, und Agility Robotics hat es nun gelüftet: rund 150'000 Dollar Material, 8500 Dollar Miete im Monat. Der Haken liegt im Auftragsbuch, denn die vielzitierten 300 Millionen Dollar stammen von einem einzigen, verbundenen Kunden.
Symbolbild · KI-generiertWas ein humanoider Roboter tatsächlich kostet, war bisher ein gut gehütetes Geheimnis der Branche, und Agility Robotics hat es am 6. Oktober an seinem Investorentag gelüftet. Das Material im Digit 5 schlägt mit rund 150'000 Dollar zu Buche, vermietet wird die Maschine für etwa 8500 Dollar im Monat, und über fünf Jahre bringt sie knapp eine halbe Million ein.
So detailliert hat bisher kein Hersteller gerechnet, doch gerade weil die Zahlen so sauber aufgehen, lohnt der Blick ins Auftragsbuch. Die 300 Millionen Dollar für 1000 Roboter stammen von einem einzigen Kunden, den der Börsenprospekt als verbundene Partei ausweist, und freigegeben wird die Bestellung erst nach und nach, immer dann, wenn der Roboter eine weitere Aufgabe beherrscht.
Den grössten Posten der Stückliste machen die Gelenke aus. Rund ein Viertel des Materialwerts entfällt auf die Zykloidgetriebe, die Agility selbst entwickelt, und genau dort soll der Preis als Erstes nachgeben, teils durch eine Neukonstruktion im eigenen Haus, teils durch günstigere Standardteile von Zulieferern. Ein knappes Fünftel der geplanten Senkung kommt schlicht aus Mengenrabatten. Am Ende dieses Wegs stehen 30'000 Dollar Material pro Roboter, allerdings erst dann, wenn jährlich 10'000 Stück gebaut werden.
Entsprechend eng hängt die Marge an der Stückzahl. Betriebschefin Jen Hunter und Finanzchef Michael Beer rechnen zum Start mit etwa 50 Prozent Produktmarge und einer Hardware, die sich nach eineinhalb Jahren bezahlt macht. Bei 1000 Einheiten im Jahr wären bereits 70 Prozent möglich, bei 10'000 Einheiten sogar 75 Prozent, und die Amortisation fiele dann unter ein halbes Jahr.
Diese Rechnung unterstellt allerdings, dass die Preise über die Jahre stabil bleiben, und sie blendet die Firma aus, die hinter dem Roboter steht. Für 2026 plant Agility 115 Millionen Dollar für Forschung und weitere 60 Millionen für Verwaltung, denen im Jahr 2025 Erlöse von lediglich 1,78 Millionen Dollar und ein operativer Verlust von 140 Millionen gegenüberstanden.
Geschlossen wird diese Lücke über die Börse, denn Agility kommt mittels einer Übernahmehülle an den Markt: Churchill Capital Corp XI, bewertet mit 2,5 Milliarden Dollar, künftig gehandelt unter dem Kürzel AGLT. Rund 620 Millionen Dollar fliessen dabei zu, ein guter Teil davon aus einer Privatplatzierung, bei der Foxconn als Ankerinvestor auftritt. Der Auftragsfertiger hat die Humanoiden-Hersteller nach eigener Darstellung anhand von drei Kriterien geprüft, und bestanden haben dabei nur wenige.
Beim Zeitplan gibt sich die Firma inzwischen deutlich vorsichtiger, als es der Börsenprospekt noch tat, in dem ein Marktstart Ende 2026 stand. Die ersten Geräte sollen nun im ersten Halbjahr 2027 zu ausgewählten Kunden gehen, allgemein verfügbar soll der Digit 5 gegen Ende 2027 sein, und Vertriebschef Daniel Diez spricht bereits von «Ende 2027 und Anfang 2028».
Wer der grosse Kunde ist, will Agility nicht sagen, doch die Beschreibung von Diez, es handle sich um «einen unserer erfahrensten Digit-4-Anwender», grenzt den Kreis spürbar ein. Im Werk Cheraw in South Carolina schiebt seit rund 18 Monaten ein Digit der vierten Generation Lagerteile durch die Hallen von Schaeffler, nach Angaben des Zulieferers weit über eine Million Pfund Material. Der Konzern hat an der Entwicklung ohnehin ein doppeltes Interesse, denn er verkauft jährlich Aktuatoren für etwa eine Milliarde Euro und traut sich zu, die halbe Stückliste eines Humanoiden zu liefern. Tausend Roboter hat er zudem beim Zürcher Anbieter Hexagon bestellt.
Aufschlussreicher als die Zusammenarbeit ist allerdings, wie vorsichtig Schaeffler dabei vorgeht. Der Digit arbeitet nach wie vor hinter einer Absperrung, und das soll so bleiben, solange die Sicherheitsnorm nicht steht. Agility führt die ISO 25785-1 in den eigenen Unterlagen zwar als genehmigt, ratifiziert ist sie jedoch nicht, weshalb jeder Betrieb, der ein solches Gerät heute in seine Halle stellt, die Risikobeurteilung vorerst selbst verantworten muss.
Für Schweizer Unternehmen ist am Ende die Miete die entscheidende Grösse. Gut 100'000 Dollar im Jahr liegen unter dem, was hierzulande ein Industriearbeiter im Zweischichtbetrieb kostet, womit der Vergleich freundlicher ausfällt als in den USA, wo Beobachter vorrechnen, der Roboter müsse rund zweieinhalb Schichten täglich ersetzen, um gegen klassische Fördertechnik zu bestehen. Vorausgesetzt natürlich, er läuft auch: Agility verspricht, gestützt auf 90 Minuten Akkulaufzeit und neun Minuten Ladezeit, mehr als 20 Stunden Verfügbarkeit pro Tag. Diesen Wert hat über mehrere Monate hinweg bisher kein Humanoide nachgewiesen, von keinem Hersteller.
Wie die Firma selbst auf den Markt blickt, verriet am Rand eine beiläufige Bemerkung von Mitgründer Jonathan Hurst, der auf die Frage nach der Konkurrenz genau einen Namen nannte, nämlich Boston Dynamics. Tesla kam nicht vor, Figure ebenso wenig, und das lässt ahnen, dass Agility die Branche nicht nach Ankündigungen sortiert, sondern nach Betriebsstunden, von denen der Digit 4 nach Firmenangaben inzwischen über 65'000 gesammelt hat.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.