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Markt8. September 2026

3,5 Milliarden für Rechenzeit, 1,9 Milliarden je eingesammelt: Figure bestellt das Roboterhirn auf Vorrat

Figure hat am 3. September einen Vertrag über bis zu 100'000 Grafikchips unterschrieben, der grösser ist als alles, was die Firma je an Kapital eingesammelt hat. 3,5 Milliarden Dollar gehen an den britischen Cloud-Anbieter Nscale, der im selben Geschäft als Aktionär bei Figure einsteigt. Der erste Chip läuft frühestens ab der zweiten Hälfte 2027.

3,5 Milliarden für Rechenzeit, 1,9 Milliarden je eingesammelt: Figure bestellt das Roboterhirn auf VorratSymbolbild · KI-generiert

Figure hat am 3. September einen Vertrag über Rechenleistung unterschrieben, der grösser ist als alles, was die Firma je an Kapital eingesammelt hat. 3,5 Milliarden Dollar gehen an den britischen Cloud-Anbieter Nscale, für bis zu 100'000 Grafikchips auf Nvidias kommender Vera-Rubin-Plattform, mit der Absicht, später über 6 Milliarden auszuweiten. Eingesammelt hat Figure seit der Gründung rund 1,9 Milliarden.

Ein Roboterbauer verpflichtet sich damit auf Ausgaben in der Grössenordnung eines Sprachmodell-Labors, ohne nennenswerte Umsätze. Brisant wird es durch eine Zeile im Kleingedruckten: Nscale steigt gleichzeitig als Aktionär bei Figure ein. Das Geld läuft also teilweise im Kreis, und der erste Chip in Barstow, Texas, läuft frühestens ab der zweiten Hälfte 2027.

Neun Tage vor dem Vertrag hatte Firmenchef Brett Adcock erklärt, woran es seiner Firma fehlt. Figure sei an einem Punkt angelangt, an dem nicht mehr die Mechanik bremse, sondern Daten und Rechenzeit. Für die Daten hat das Unternehmen Ende August die App Index gestartet, eine Art Gig-Plattform: Menschen filmen sich beim Abwaschen, Falten, Einräumen und werden dafür bezahlt. Rund 44'000 Personen machen mit, laut Figure fliessen inzwischen 35 Minuten Videomaterial pro Sekunde ein. Auf tausend gesammelte Stunden kommen 373 verschiedene Aufgaben, 1146 Objekte, 116 Umgebungen. Eine Milliarde Dollar will Figure allein für dieses Datensammeln ausgeben.

Nscale ist in dieser Rechnung kein Zufallspartner. Die Firma mit Sitz in London und Rechenzentren in Norwegen, Portugal, Island, Grossbritannien und Texas hat im März zwei Milliarden Dollar zu einer Bewertung von 14,6 Milliarden aufgenommen, mit Nvidia als Investor. Microsoft hat sich bei Nscale 200'000 Nvidia-Beschleuniger reserviert. Nvidia steckt also Geld in Nscale, Nscale steckt Geld in Figure, Figure kauft bei Nscale Rechenzeit auf Nvidia-Hardware. Jensen Huang nennt das in der Mitteilung das Schwungrad der physischen KI. Man kann es auch nüchterner betrachten: Ein erheblicher Teil der Summe ist eine Buchung zwischen Beteiligten, die sich gegenseitig gehören.

Was in den Meldungen fehlt, ist der Zahlungsplan. Weder Figure noch Nscale haben offengelegt, über wie viele Jahre sich die 3,5 Milliarden verteilen und was bei einem Ausstieg passiert. Bei einer Bewertung von 39 Milliarden aus der letzten Finanzierungsrunde ist das kein akutes Problem, solange frisches Kapital nachfliesst. Es wird eines, sobald der Markt die Geduld verliert. Und Figure verkauft bis heute keine Roboter an Privathaushalte, obwohl genau das die Begründung für den ganzen Aufwand ist.

Für europäische Hersteller verschiebt der Vertrag den Massstab. Wer hier einen Humanoiden baut, konkurriert nicht mehr nur um Ingenieure und Zulieferer, sondern um Rechenzeit, die auf Jahre hinaus vorbestellt wird. Hexagon lässt seinen AEON in Zürich entwickeln, Neura sitzt teilweise hier, und beide arbeiten mit Budgets, die neben 3,5 Milliarden für Grafikchips bescheiden wirken. Das muss kein Nachteil sein. Wer weniger Rechenleistung hat, muss sparsamere Modelle bauen, und sparsame Modelle laufen später auch auf einer Maschine, die in einer Werkhalle im Mittelland steht und nicht am Glasfaserkabel eines Hyperscalers hängt.

Für Schweizer Betriebe, die im nächsten Jahr über die Anschaffung eines Humanoiden nachdenken, steckt in dieser Meldung eine unangenehme Frage. Der Gerätepreis, den ein Hersteller nennt, enthält heute noch nicht die Kosten des Trainings, das dahintersteht. Irgendwann muss jemand diese Milliarden zurückverdienen, und es gibt nur zwei Wege dorthin: höhere Preise oder ein Abonnement für die Fähigkeiten der Maschine. Wer jetzt Angebote vergleicht, sollte deshalb weniger auf den Kaufpreis schauen als auf das, was vertraglich zur Software gesagt wird.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.