Am 2. September ist im serbischen Šabac die erste Serienfertigung für humanoide Roboter auf europäischem Boden angelaufen, betrieben vom Shanghaier Hersteller AGIBOT und dem Autozulieferer Minth. Zwei Tage später meldete dieselbe Firma an der IFA in Berlin die Zertifizierung ihres Spitzenmodells durch den TÜV Rheinland und einen europäischen Vertriebspartner. Während die USA ausländische Robotik auf eine Sperrliste setzen, entsteht in Europa ein chinesischer Hersteller mit Fabrik, Prüfsiegel und Händlernetz.
Symbolbild · KI-generiertAm 2. September ist im serbischen Šabac die erste Serienfertigung für humanoide Roboter auf europäischem Boden angelaufen, betrieben vom Shanghaier Hersteller AGIBOT und dem Autozulieferer Minth. Erste Stufe: 20 Millionen Euro, rund 5000 Geräte. Mitte September folgt der Spatenstich für einen Roboterpark in Inđija, 200 Millionen Euro, bis zu 20'000 Einheiten im Jahr.
Zwei Tage später meldete dieselbe Firma an der IFA in Berlin, was schwerer wiegt als jede Halle: Der TÜV Rheinland hat ihr Spitzenmodell zertifiziert, dazu kommt ein europäischer Vertriebspartner. Die USA haben ausländische Robotik Ende Juli auf eine Sperrliste gesetzt. Hier wächst das Gegenteil, ein chinesischer Hersteller mit europäischer Fabrik, europäischem Prüfsiegel und europäischem Händlernetz.
Die Halle in Šabac gehört Minth Metal Parts Majur, einem Werk für Autoteile, das der Konzern seit Jahren betreibt und in dem in der Region über 2000 Leute arbeiten. Die Roboter entstehen also nicht auf der grünen Wiese, sondern zwischen laufenden Pressen und Förderbändern. Das ist Absicht. AGIBOT sammelt aus solchen Umgebungen die Bewegungsdaten, mit denen die eigenen Modelle weitertrainiert werden, und eine Fabrik, die ohnehin im Takt läuft, liefert davon mehr als jedes Testlabor. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić war bei der Eröffnung dabei und nannte die 5000 Geräte als erstes Ziel.
Die Firma dahinter ist kein Aussenseiter. AGIBOT hat im ersten Halbjahr 2026 gut vierzig Prozent aller weltweit ausgelieferten Humanoiden gestellt und damit Unitree überholt, das Werk in Shanghai hat diesen Sommer den 15'000. Roboter verlassen. Unitree bestreitet die Zahlen regelmässig, weil AGIBOT auch fahrbare Zweiarm-Einheiten mitzählt, die auf Rädern statt auf Beinen stehen. Für die Kunden ist der Streit zweitrangig. Wer eine Werkhalle bestückt, will ein Gerät, das die Aufgabe erledigt, und nicht eines, das die Definition erfüllt.
An der IFA zeigte sich, wie breit das Sortiment inzwischen ist. Im Zentrum stand der A3, ein 173 Zentimeter grosser und 55 Kilogramm schwerer Zweibeiner mit wechselbaren Akkus, daneben der bewegliche X2 Ultra, der auf der Messe über den Laufsteg geschickt wurde. Dazu kommen der fahrbare G2 für Montage und Materialtransport, die Reinigungsmaschine C5, vierbeinige Modelle für Kontrollgänge und eine fünffingrige Hand namens OmniHand. Die eigentliche Nachricht war aber unscheinbarer: Der A3 Ultra hat vom TÜV Rheinland die Zertifikate RED DA, RED NB und Safety AK erhalten. Dahinter steht die CE-Konformität nach der europäischen Funkanlagenrichtlinie plus geprüfte Sicherheitsfunktionen. Weitere Modelle stecken in denselben Prüfverfahren.
Für einen ausländischen Hersteller ist genau das die hohe Hürde, nicht die Beweglichkeit. Ein Gerät, das sich zwischen Menschen bewegt, kommt ohne diese Papiere in keinen Betrieb, der etwas auf seine Arbeitssicherheit gibt. Den Vertrieb übernimmt Tekpoint, ein europäischer Distributor, und der Fokus liegt bezeichnenderweise nicht auf der Industrie, sondern auf Läden, Hotels und Reinigung. Dort sind die Integrationszyklen kurz, das Gerät steht nach Tagen im Einsatz statt nach Monaten.
Skepsis ist trotzdem angebracht, und zwar an einem Punkt, der in den Communiqués fehlt. Eine Montagelinie macht aus einem chinesischen Roboter noch keinen serbischen. Ob ein in Šabac zusammengesetztes Gerät zollrechtlich als Ursprungsware gilt, hängt davon ab, wie viel Wertschöpfung tatsächlich vor Ort passiert, und nicht davon, wo der letzte Schraubenzieher angesetzt wurde. Aktoren, Getriebe und Recheneinheiten kommen weiterhin aus China. Ob in Serbien eine Zulieferkette entsteht oder bloss eine Endmontage mit europäischer Adresse, entscheidet sich erst in den nächsten zwei, drei Jahren. Die 20'000 Einheiten jährlich sind ein Plan, keine Kapazität.
Für Schweizer Käufer hängt an dieser Frage mehr, als es aussieht. Zwischen der EFTA und Serbien gilt seit dem 1. Oktober 2010 ein Freihandelsabkommen, gewerbliche Ursprungswaren laufen zollfrei. Wer hier ein Gerät bestellt, sollte sich die Ursprungserklärung zeigen lassen, bevor er mit dem Preis rechnet. Wichtiger noch ist die Prüfseite: Die Schweiz führt keine eigenen Roboterzulassungen durch, im Beschaffungsprozess wird nach CE-Erklärung und Sicherheitsnachweis gefragt. Ein Hersteller, der diese Unterlagen vom TÜV in der Hand hat, ist in einer Ausschreibung plötzlich satisfaktionsfähig, während er vor einem Jahr noch am Formular gescheitert wäre. Und ein Distributor in Europa heisst im Alltag schlicht: Ersatzteil in Tagen statt in Wochen.
Was die Fabrik wirklich taugt, zeigt sich nicht in Berlin. Eine Choreografie auf dem Messelaufsteg beweist wenig über eine Maschine, die acht Stunden am Stück Kartons packen soll, ohne dass jemand danebensteht. Die Probe kommt, wenn die ersten in Šabac montierten Geräte in europäischen Betrieben eine Schicht durchhalten müssen. Bis dahin bleibt die Bilanz dieser Woche eine geografische: Die Massenfertigung von Humanoiden findet nicht mehr nur in Ostasien statt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.