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Markt2. September 2026

Roboter gekauft, zerlegt, verklagt: Universal Robots zieht gegen JAKA vor das EU-Patentgericht

Teradyne Robotics, die Mutter von Universal Robots, hat am 27. August beim Einheitlichen Patentgericht in Kopenhagen Klage gegen die deutsche Tochter des chinesischen Herstellers JAKA eingereicht. Es geht um mehrere Patente auf Hardware und Software und um fast das gesamte in der EU angebotene Cobot-Sortiment. Ein Urteil würde in 17 EU-Staaten wirken, dazu in Grossbritannien und Spanien.

Roboter gekauft, zerlegt, verklagt: Universal Robots zieht gegen JAKA vor das EU-PatentgerichtSymbolbild · KI-generiert

Universal Robots hat einen Roboter der chinesischen Konkurrenz gekauft, ihn zerlegt und danach geklagt. Am 27. August reichte die dänische Muttergesellschaft Teradyne Robotics beim Einheitlichen Patentgericht in Kopenhagen Klage gegen die deutsche Tochter des Herstellers JAKA ein. Es geht um mehrere Patente, um Hardware und Software zugleich, und um fast das ganze Cobot-Sortiment, das JAKA in der EU anbietet. Ein Urteil würde in 17 der 18 beteiligten EU-Staaten wirken, dazu in Grossbritannien und Spanien.

Washington hält chinesische Roboter mit Einfuhrsperren auf, Europa wählt den Gerichtsweg. Der trifft kein Herkunftsland, sondern ein Produkt, und kann einem Anbieter den halben Kontinent verschliessen. Für Teradyne ist es die zweite Klage dieser Art in diesem Jahr.

Angefangen hat es mit einem Blick, nicht mit einem Anwalt. David Brandt, Entwicklungschef und Technologieverantwortlicher bei Universal Robots, sagt, man habe die kraft- und leistungsbegrenzten Arme der beiden Firmen nebeneinander gesehen und sich gewundert. Sie sähen einander ziemlich ähnlich. Also kaufte das Unternehmen einen JAKA-Arm und schaute genauer hin. Danach sei der Verdacht auf Patentverletzung offensichtlich gewesen.

Brandt beschreibt damit ein Problem, das jeder Hardwarehersteller kennt und niemand löst. Man muss den Roboter bauen und ausliefern, damit er ein Roboter ist. Und wer ihn kauft, kann ihn aufschrauben. Universal Robots schützt sich mit Patenten, Urheberrechten und Geschäftsgeheimnissen, doch keines dieser Mittel verhindert, dass ein Konkurrent das fertige Gerät auf dem Tisch liegen hat.

Es ist nicht der erste Versuch. Im Februar zog Teradyne gegen die deutsche Gesellschaft von Elite Robots vor Gericht, damals wegen Urheberrechtsverletzung an der Steuerungssoftware. Im April untersagte das Landgericht Hamburg dem Unternehmen per einstweiliger Verfügung, die strittige Software und Produkte damit in Deutschland anzubieten. Das Verfahren läuft weiter. Der neue Fall ist juristisch anders gelagert, weil es um Patente geht und nicht um Code, und weil das Einheitliche Patentgericht ein ganz anderes Wirkungsgebiet hat als ein deutsches Landgericht.

Warum Kopenhagen? Teradyne Robotics sitzt in Odense, und mutmassliche Verletzungshandlungen sollen unter anderem in Dänemark stattgefunden haben. Deshalb landete der Fall bei der dortigen Lokalkammer. Konzernpräsident Jean-Pierre Hathout formuliert das Ziel unmissverständlich: Man werde unrechtmässiges Kopieren geschützter Technologie nicht hinnehmen. Brandt ergänzt, es gehe nicht in erster Linie um Geld. Man wolle, dass JAKA aufhört. JAKA selbst hat sich bisher nicht geäussert.

Interessant ist ein zweites Argument, das Universal Robots ins Feld führt. Cobots sind so gebaut, dass Menschen in ihrer Nähe arbeiten dürfen, sofern die Risikobeurteilung stimmt. Wenn Nachbauten diese Sicherheitseigenschaften nicht in gleicher Qualität erreichen und jemand ernsthaft verletzt wird, trifft der Schaden nicht nur den Hersteller, sondern die Gattung. Behörden und Arbeitsinspektorate würden dann die kollaborative Robotik insgesamt strenger anschauen. Ob das stichhaltig ist oder ein bequemes Argument im Wettbewerb, wird das Verfahren nicht klären.

Brandt betont, mit China habe die Sache nichts zu tun. Es gehe um Firmen, die kopieren, egal woher sie kämen. Das ist die diplomatische Fassung. Die Marktlage sieht anders aus: Es sind chinesische Anbieter, die den Cobot-Markt mit aggressiven Preisen aufmischen, und Teradyne führt nun binnen sechs Monaten den zweiten europäischen Prozess gegen genau solche Wettbewerber. Brandt sagt selbst, JAKA sei nicht der einzige Roboter da draussen, der den eigenen verdächtig ähnlich sehe.

Wirtschaftlich steht Teradyne Robotics dabei nicht mit dem Rücken zur Wand. Im zweiten Quartal 2026 setzte die Gruppe 100 Millionen Dollar um, nach 91 Millionen im ersten Quartal und 75 Millionen im Vorjahresquartal. Das ist das fünfte Wachstumsquartal in Folge, und der grösste Teil davon stammt von Universal Robots. Über 100'000 Cobots hat die Firma bisher verkauft. Sie klagt also aus einer Position der Stärke heraus, was die Sache für die Gegenseite eher unangenehmer macht.

Für Schweizer Betriebe ist die Lage doppelbödig. Die Schweiz gehört nicht zum Einheitlichen Patentgericht, ein Urteil aus Kopenhagen gilt hier also nicht direkt. Nur läuft die Beschaffung in der Praxis selten direkt aus China. Systemintegratoren, Distributoren und Servicepartner sind meist europäische Gesellschaften, und wer einem Anbieter den EU-Vertrieb beschneidet, trifft damit auch Ersatzteile, Softwarepflege und Schulung für Kunden ausserhalb der EU. Wer heute einen günstigen Cobot evaluiert, sollte deshalb weniger auf den Anschaffungspreis schauen als auf die Frage, wer das Gerät in fünf Jahren noch wartet.

Genau diese Frage wird in den nächsten Monaten teurer beantwortet als bisher. Bis ein UPC-Verfahren durch ist, vergehen üblicherweise gut zwölf Monate. Bis dahin verkaufen alle Beteiligten weiter.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.