In einem staatlich finanzierten Trainingszentrum in Liuzhou bringen Menschen mit VR-Brillen über hundert Humanoiden einfache Handgriffe bei. Aus dreihundert Versuchen entsteht eine brauchbare Bewegung. Eine Reuters-Recherche vom 31. August zeigt, wie weit Chinas Roboterhardware der Roboterintelligenz davongelaufen ist.
Symbolbild · KI-generiertIn einer Halle in Liuzhou führen ein Dutzend Menschen mit VR-Brillen mehr als hundert Humanoide durch Handgriffe wie Kisten sortieren und Kaffee kochen. Aus dreihundert Versuchen eines ungeübten Trainers entsteht eine einzige brauchbare Bewegung, bei geübten Trainern eine aus fünfzig. Die Zahlen stammen aus einer Reuters-Recherche vom 31. August, die auf fast tausend Vergabeakten und vierzig Gesprächen beruht.
Chinas Roboterhardware ist der Roboterintelligenz davongelaufen, und das lässt sich jetzt beziffern. Behörden kauften im ersten Halbjahr für 230 Millionen Dollar Humanoide ein, nach 62 Millionen im Vorjahr. Der Branche stehen dafür rund 500'000 Stunden brauchbare Trainingsdaten zur Verfügung. Nötig wären nach Branchenschätzungen hundert Millionen.
Das Zentrum in Liuzhou gehört der Regionalregierung von Guangxi, die im vergangenen Oktober einen Auftrag über 18 Millionen Dollar an UBTech vergab, damit die Halle mit Robotern und der nötigen Technik bestückt wird. Verkauft werden soll das, was dort entsteht: Bewegungsdaten für Fabriken. Drei Mitarbeiter räumten gegenüber Reuters ein, dass sich das Projekt aus eigener Kraft nicht trägt. Die Betriebskosten sind hoch, die Preise für Trainingsdaten in einem Markt, den es vor drei Jahren noch gar nicht gab, sind tief. Beim Besuch schaffte einer der Humanoiden es kaum, eine Harasse zu tragen. Etwa zwanzig Prozent der Geschwindigkeit eines Menschen, sagte ein Angestellter, in zwei bis drei Jahren könnten die Maschinen aufholen.
Der Grund für die Zähigkeit liegt in der Art der Modelle. Ein Sprachmodell verarbeitet Text und erzeugt Text. Ein Fabrikroboter muss Bilder in Kraft und Bewegung übersetzen, in den Griff um ein Stück Stoff, in das Drehmoment an einer Schraube. Vision-Language-Action-Modelle heissen diese Systeme, und sie sind deutlich schwerer zu trainieren, weil sie tausende Stunden echter Situationen brauchen. Vor allem aber sind sie spröde. Ändert sich das Licht, der Winkel, die Unterlage oder das Objekt, fällt die gelernte Bewegung auseinander. «Das Problem verschiebt sich von den letzten zehn Zentimetern auf den letzten einen, teils auf den letzten Millimeter», sagte Jia Baoxiong vom Pekinger Institut für allgemeine künstliche Intelligenz.
Über 150 Humanoiden-Hersteller zählt die staatliche Planungsbehörde inzwischen, mehr als es chinesische Elektroautomarken gibt. Das Industrieministerium erwartet für dieses Jahr über 100'000 gebaute Humanoide im Land. Weltweit ausgeliefert wurden im vergangenen Jahr rund 20'000 Stück, davon 95 Prozent aus chinesischer Produktion. Der Netzbetreiber State Grid kündigte im April an, eine Milliarde Dollar in humanoide und zweiarmige Roboter für Netzunterhalt und Unterwerkskontrollen zu stecken. Shenzhen will bis nächstes Jahr ein Cluster mit 1200 Firmen aufbauen.
Diese Nachfrage kommt fast vollständig vom Staat, und das verzerrt jede Zahl, die man liest. Deep Robotics aus Hangzhou legte offen, dass rund 42 Prozent des Reingewinns von 4,2 Millionen Dollar aus Subventionen stammten. Verkauft hat die Firma in zwei Jahren vier Humanoide. Gleichzeitig fallen die Preise: Morgan Stanley rechnet für 2026 mit einem Minus von 15 Prozent, der Kuavo von Leju verbilligte sich 2025 um gut ein Viertel auf etwa 46'000 Dollar, und ein Tanzroboter für Werbeauftritte kostet in der Miete noch 440 bis 600 Dollar pro Tag statt rund 1500 im Vorjahr.
Nicht alle halten das für gesund. «Es wird zu hundert Prozent eine Konsolidierung geben, die Frage ist nur, wen es trifft und wie hässlich es wird», sagt Kevin Xu von Interconnected Capital. Lizzi Lee vom Asia Society Policy Institute beschreibt die Methode nüchterner: Peking starte bewusst eine Art Hungerspiele, in denen Überkapazität kein Betriebsunfall sei, sondern Teil des Suchverfahrens. Am Ende bleiben ein paar global konkurrenzfähige Firmen übrig. Der Weg dorthin ruiniert die anderen.
Es gibt Anwendungen, die heute schon rechnen. Galbot betreibt in mehr als zwei Dutzend chinesischen Städten Roboter in Apotheken, die nach digitaler Bestellung Packungen aus dem Regal holen. Ein Gerät braucht dafür etwa eine Minute, die Trefferquote liegt nach Firmenangaben über 95 Prozent, und die wenigen Fehler betreffen meist das Greifen, nicht die Auswahl. Eine typische Filiale führt 5000 bis 6000 Artikel auf dreissig bis fünfzig Quadratmetern. Genau solche engen, immer gleichen Aufgaben sind der realistische Einstieg, nicht der Allzweckhelfer.
Für Schweizer Betriebe hat das zwei praktische Folgen. Erstens ist der Preis eines chinesischen Humanoiden derzeit kein verlässlicher Anhaltspunkt, weil er teils subventioniert und teils Kampfpreis ist. Wer beschafft, sollte deshalb weniger auf den Anschaffungspreis schauen als auf die Frage, ob es den Hersteller in fünf Jahren noch gibt und ob dann Ersatzteile und Software-Updates kommen. Zweitens bleibt der Roboterarm für die meisten Aufgaben in einer Werkhalle die bessere Wahl, schneller, verlässlicher, seit Jahrzehnten im Einsatz. Auch Geely bestätigte, dass in Ningbo trotz Humanoiden-Tests mit UBTech weiterhin Arme und fahrerlose Transporter die entscheidenden Schritte übernehmen.
Wie stark die Abhängigkeit von chinesischer Hardware bereits ist, zeigte sich im Juli am RoboCup in Südkorea. Früher brachten die Teams eigene Maschinen mit, inzwischen spielen fast alle mit chinesischen Robotern, wie ein Manager des koreanischen Herstellers AeiROBOT feststellte. Selbst wenn die erwartete Bereinigung viele Marken aus dem Markt fegt, bleiben die Lieferketten dort, wo sie heute sind. Für Europa heisst das: Der Rückstand liegt nicht bei den Motoren und Getrieben, sondern bei den Daten, und die entstehen dort, wo Roboter tatsächlich arbeiten. In Liuzhou sind es bisher dreihundert Versuche für einen brauchbaren Handgriff.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.