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Markt12. August 2026

13'500 gegen 250'000 Dollar: Aus dem US-Roboterverbot wird ein Geschäftsmodell

Der amerikanische Roboterhändler RoboStore hat am 10. August die Firma Robo Inc. gegründet. Sie will chinesische Roboter auf Long Island zerlegen, absichern und neu zusammensetzen, damit US-Kunden sie trotz des Importverbots vom 28. Juli einsetzen dürfen. Der Preisunterschied gibt dem Ganzen Wucht: 13'500 Dollar für einen Unitree-Humanoiden, über 250'000 für das amerikanische Gegenstück.

13'500 gegen 250'000 Dollar: Aus dem US-Roboterverbot wird ein GeschäftsmodellSymbolbild · KI-generiert

Am 10. August hat der amerikanische Roboterhändler RoboStore eine zweite Firma gegründet, die das Problem lösen soll, das die eigene Regierung geschaffen hat. Robo Inc. will chinesische Roboter auf Long Island zerlegen, absichern und neu zusammensetzen, damit US-Kunden sie trotz des Importverbots vom 28. Juli einsetzen dürfen. Halle 6130 Quadratmeter, betriebsbereit im Januar 2027. Den Ausschlag gibt der Preis: Ein Unitree-Humanoid startet bei 13'500 Dollar, das US-Gegenstück von Agility Robotics kostet über 250'000.

Nur sitzt das eigentliche Problem tiefer als in der Firmware. Chinas Nachrichtendienstgesetz verpflichtet jedes dort ansässige Unternehmen zur Zusammenarbeit mit den Behörden, und daran ändert auch die beste amerikanische Zwischenschicht nichts.

Ausgelöst hat den Umbruch eine Entscheidung der Telekombehörde FCC vom 28. Juli. Sie setzte vernetzte Roboter über zwei Kilogramm, die von Herstellern aus als gegnerisch eingestuften Staaten stammen, auf ihre sogenannte Covered List. Dasselbe Instrument hatte zuvor Huawei aus den amerikanischen Telefonnetzen und DJI vom Drohnenmarkt verdrängt. Anlass waren zwei unabhängig bestätigte Sicherheitslücken in Geräten von Unitree.

Die erste, geführt als CVE-2025-2894, war ein versteckter Dienst in der Firmware des Vierbeiners Go1. Beim Hochfahren baute der Roboter von sich aus einen Tunnel zu einem Cloud-Server auf. Wer den passenden Schlüssel besass, hatte die volle Fernsteuerung. Betroffene Geräte fanden Forscher in den Netzen von MIT, Princeton, Carnegie Mellon und der Universität Waterloo. Die zweite Lücke, dokumentiert unter dem Namen UniPwn, sitzt in der Bluetooth-Schnittstelle der Modelle G1, H1, Go2 und B2 und verbreitet sich selbständig weiter: Ein befallener Roboter sucht in Funkreichweite nach dem nächsten und übernimmt ihn. Ein öffentlicher Patch für beide Lücken fehlt bis heute.

Genau in diese Lücke verkauft Robo Inc. hinein. Der Mutterkonzern RoboStore aus Plainview im Bundesstaat New York hat nach eigenen Angaben mehr als 1500 Humanoide und Vierbeiner an 4500 Organisationen geliefert, darunter Harvard, MIT, Amazon und Nvidia. Die Zahlen sind ungeprüft, doch sie beschreiben eine Praxiserfahrung, die in dieser Branche selten ist. «Kunden wollen keine weiteren fernen Versprechen, sondern Lösungen, die sich heute einsetzen lassen», sagt Gründer und Geschäftsführer Teddy Haggerty. Was seine neue Firma anbietet, ist im Kern Handwerk: Datenflüsse prüfen, Netzzugriffe sperren, Firmware auseinandernehmen, Bluetooth-Reichweite begrenzen, jede Installation einzeln bewerten. Umgangen wird das Verbot dabei nicht, denn es gilt nur für neue Modelle. Bereits zugelassene Geräte dürfen weiter verkauft werden, und davon liegen im Lager noch einige.

Für eine IT-Abteilung, die verhindern will, dass ein Vierbeiner unkontrolliert nach Hause telefoniert, reicht dieses Vorgehen aus. Für einen Rüstungszulieferer unter ITAR-Regeln reicht es nicht, weil dort die Herkunft der Hardware selbst das Ausschlusskriterium ist. Robo Inc. beantwortet diese Frage nicht, sondern reicht sie an den Kunden weiter.

Warum sich niemand einfach amerikanische Hardware in die Halle stellt, zeigt eine Rechnung von Morgan Stanley. Ohne chinesische Komponenten würde die Stückliste für einen Tesla Optimus der zweiten Generation von rund 46'000 auf 131'000 Dollar steigen, allein die Aktuatoren verteuerten sich von etwa 22'000 auf 58'000 Dollar. China stellt rund die Hälfte aller Humanoiden weltweit her und kontrolliert je nach Bauteil zwischen 63 und 89 Prozent der kritischen Rohstoffe. Agility Robotics, der einzige US-Anbieter mit nennenswerter Praxis, weist über 65'000 Betriebsstunden bei neun Kunden aus, verlangt dafür aber Preise, die Hochschulen und mittelständische Betriebe schlicht nicht zahlen.

Die Drohnenbranche hat dieses Muster schon durchlaufen. Als DJI im Dezember 2025 auf dieselbe Liste kam, fiel ein Anbieter mit rund drei Vierteln Marktanteil praktisch über Nacht weg, und der Markt sortiert sich bis heute neu. Roboter sind teurer, komplexer und länger im Einsatz, die Übergangszeit dürfte also länger dauern. Genau darauf ist das Geschäftsmodell gebaut. Ob daraus ein dauerhaftes Unternehmen wird oder nur eine Brücke, die mit dem Ende dieser Übergangszeit verschwindet, entscheidet sich nicht auf Long Island, sondern in den Werken, die irgendwann bezahlbare Aktuatoren ausserhalb Chinas liefern müssten.

In Europa und in der Schweiz gibt es bisher kein vergleichbares Verbot. Unitree-Geräte lassen sich frei bestellen, sie stehen in Hochschullabors, auf Messen und in ersten Betrieben. Die beiden Lücken sind dieselben, nur zwingt hier niemand zum Handeln. Wer einen Vierbeiner betreibt, sollte deshalb wissen, in welchem Netzsegment das Gerät hängt, ob Bluetooth aktiv ist und wohin es beim Start Verbindung aufnimmt. Drei Fragen, die vor dem Kauf deutlich weniger kosten als danach. In den Inseraten auf robothub24 taucht die Firmware bisher fast nie auf, obwohl sie inzwischen genauso zur Spezifikation gehört wie Traglast und Akkulaufzeit.

Unitree selbst hat derzeit ohnehin andere Sorgen als den amerikanischen Markt. Der Börsengang in Shanghai war bei den Privatanlegern über 8000fach überzeichnet.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.