Das Zürcher Startup Exclaim Robotics ist am 4. August aus der Deckung getreten und meldet eine Pre-Seed-Runde über 4,95 Millionen Dollar von Founderful und Playfair. Gebaut werden mobile Roboter, die in KI-Rechenzentren defekte Hardware ersetzen. Der Anlass ist die Umstellung auf 800 Volt Gleichspannung im Rack, bei der gewöhnliche Wartung zur Arbeit mit Lichtbogenrisiko wird.
Symbolbild · KI-generiertKnapp fünf Millionen Dollar für eine Firma ohne fertigen Prototypen: Das Zürcher Startup Exclaim Robotics ist am 4. August aus der Deckung getreten, mit einer Pre-Seed-Runde über 4,95 Millionen Dollar vom Schweizer Fonds Founderful und dem Londoner Kapitalgeber Playfair. Gebaut werden sollen mobile Roboter, die in KI-Rechenzentren defekte Hardware ersetzen.
Der Anlass ist unangenehm konkret. Die nächste Generation von KI-Racks führt 800 Volt Gleichspannung direkt in den Schrank, und bei dieser Spannung wird das Öffnen einer Rackfront zur Arbeit mit Lichtbogenrisiko. Kapazität entsteht schneller, als sich Personal ausbilden lässt. Ausgerechnet die letzte unautomatisierte Schicht des Rechenzentrums wird damit zur gefährlichsten.
Praktisch alles in einer modernen Anlage lässt sich aus der Ferne verwalten. Das physische Innenleben nicht. Fällt ein Laufwerk aus, muss nach wie vor ein Mensch durch die Halle laufen und die Hand ans Blech legen. Genau diese Lücke zielt Exclaim an, und zwar bewusst nicht mit einer Allzweckmaschine. Der Roboter soll autonom durch die Datenhalle navigieren, sich vor einem Rack positionieren und die Front vom Boden bis zur obersten Schiene bearbeiten, ohne dass am Gebäude irgendetwas umgebaut werden muss. Die Renderings auf der Firmenwebsite zeigen zwei Arme auf einer Vertikalsäule, montiert auf einer fahrbaren Plattform.
Die erste Aufgabenliste klingt bewusst unspektakulär: optische Transceiver und SFP-Module reinigen und tauschen, Kupferkabel neu stecken, Laufwerke ersetzen. Das ist Feinmotorik im Zentimeterbereich, keine Schwerarbeit. Trainiert wird zuerst in der Simulation, wo eine Bewegung tausendfach geübt werden kann, danach an echten Racks mit echten Sensoren. Wenn die Maschine sich einer Handlung nicht sicher genug ist, versucht sie es nicht, sondern übergibt an einen Menschen an der Fernsteuerung. Für ein Startup, dessen Roboter unter Umständen an Hardware im Wert eines Mittelklassewagens hantiert, ist dieser Verzicht auf Übermut die eigentliche Produktentscheidung.
Hinter der Firma steht Helen Oleynikova, die vor der Gründung fünfzehn Jahre Robotik hinter sich gebracht hat: Willow Garage, Google, Microsoft, Nvidia, dazu ein Doktorat an der ETH Zürich über Kartierung und Planung in unübersichtlichen Umgebungen. Sie ist Mitentwicklerin von nvblox, jener Bibliothek für 3D-Kartierung und Kollisionsvermeidung, die heute in Nvidias Isaac ROS steckt. Auf die Idee kam sie bei Microsoft, wo sie über eine interne Zusammenarbeit erstmals sah, wie Robotik in Rechenzentren aussehen könnte. Im Januar 2026 verliess sie die ETH, um die Sache hauptberuflich zu verfolgen. Zum Gründungsteam gehört unter anderem Patrick Pfreundschuh, ebenfalls ETH-Doktorand und Teil jener Mannschaft, die die DARPA Subterranean Challenge gewann.
«Die Innovationsgeschwindigkeit bei der Rechenzentrumsinfrastruktur erinnert an das Wettrennen im All», sagt Oleynikova. Flüssigkeitskühlung, 800 Volt Gleichstrom im ganzen Gebäude, womöglich supraleitende Stromschienen, gekühlt mit flüssigem Stickstoff. Das von Hand zu warten, werde jedes Jahr gefährlicher.
Skepsis ist trotzdem angebracht, und Exclaim formuliert sie selbst mit. Geschickte Manipulation ist seit Jahrzehnten das ungelöste Problem der Robotik, und ein Serverraum ist zwar geordneter als eine Wohnung, aber die Kabelführung vor einer gut gefüllten Rackfront ist alles andere als aufgeräumt. Playfair beschreibt das erste Jahr entsprechend nüchtern: Es gehe darum, ein paar wenige Aufgaben zuverlässig zu beherrschen, ohne je etwas zu beschädigen. Ein Roboter, der ein optisches Modul zerkratzt, kostet mehr, als er spart. Und 4,95 Millionen Dollar sind gemessen an den Summen, die chinesische Humanoiden-Hersteller derzeit einsammeln, eine sehr überschaubare Startlinie.
Bemerkenswert ist gerade deshalb die Zuspitzung. Während die Branche über Universalroboter debattiert, die alles ein bisschen können, sucht sich hier ein Team einen einzigen Raumtyp mit standardisierten Massen, bekannter Geometrie und einem Kunden, der Ausfallzeit in Franken pro Minute rechnen kann. Der Zürcher Raum liefert dafür die Zutaten praktisch frei Haus: eine ETH mit Jahrzehnten an Navigations- und Kartierungsforschung, ein dichtes Netz an Robotikfirmen und mit Founderful einen Geldgeber, der Deep Tech aus dem Hochschulumfeld gewohnt ist. Für die Schweizer Robotikszene ist Exclaim damit weniger eine Sensation als ein weiterer Beleg für ein Muster, das sich seit einigen Jahren verfestigt.
Ob daraus ein Geschäft wird, entscheidet sich nicht an der Vision, sondern an einer sehr profanen Frage: Schafft es die Maschine, ein Modul tausendmal hintereinander sauber zu wechseln. Langfristig will die Firma dieselbe Fähigkeit überall dort anbieten, wo Wartung gefährlich oder schwer erreichbar ist, als Nächstes bei Hochspannungs- und Energieinfrastruktur. Bis dahin steht erst einmal ein Prototyp an, den es noch gar nicht gibt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.