Das Londoner Start-up Humanoid hat eine Series-A-Runde über 152 Millionen Dollar abgeschlossen und wird neu mit 1,35 Milliarden bewertet. Hinter dem Investment stehen neben Wagniskapitalgebern auch Bosch und Schaeffler. Ausgeliefert hat die zwei Jahre alte Firma bisher keinen einzigen Roboter.
Symbolbild · KI-generiert34'000 Vorbestellungen im Wert von 2,4 Milliarden Dollar, ausgeliefert: null. Mit dieser Bilanz hat das Londoner Start-up Humanoid am 23. Juli eine Finanzierungsrunde über 152 Millionen Dollar abgeschlossen, die grösste Series A, die ein europäischer Humanoiden-Hersteller je eingesammelt hat. Die Bewertung liegt neu bei 1,35 Milliarden Dollar. Gegründet wurde die Firma vor gut zwei Jahren.
Hinter Humanoid steht Artem Sokolov, ein Unternehmer, der seinen Familienbetrieb über ein Jahrzehnt auf eine Milliarde Umsatz gebracht und im August 2025 verkauft hat. In die eigene Roboterfirma, gegründet im Mai 2024, steckte er zum Start rund 30 Millionen Dollar aus dem Privatvermögen. Als Motivation nennt er die Fabrikarbeit seiner Grosseltern: Maschinen sollen die repetitiven Handgriffe übernehmen, die Menschen verschleissen. «Was wir in so kurzer Zeit erreicht haben, würde normalerweise ein Jahrzehnt dauern», liess er sich zur Finanzierungsrunde zitieren. Heute arbeiten seine Teams in London, Boston und Vancouver.
Angeführt hat die Runde Prime Movers Lab, jene amerikanische Beteiligungsfirma, die auch hinter der 39-Milliarden-Bewertung von Figure AI steht. Interessanter als die Geldgeber aus dem Wagniskapital sind aber zwei Namen aus der alten Industrie: Bosch und Schaeffler. Bosch begnügt sich dabei nicht mit einem Scheck, die Tochter Robert Bosch Robotics wird als Auftragsfertigerin die Produktion übernehmen und ihr Wissen zu Hardware und Lieferketten einbringen. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld begründet den Einstieg damit, humanoide Robotik entwickle sich «rasant von einer Vision zur industriellen Realität». Zwei der grössten Zulieferer Europas binden sich damit an ein Start-up, das noch kein Produkt im Markt hat.
Das Produkt selbst weicht vom Drehbuch der Konkurrenz ab. Während amerikanische und chinesische Hersteller fast ausnahmslos auf zwei Beine setzen, bringt Humanoid seine Plattform HMND 01 zuerst auf Rädern in Serie, gesteuert vom hauseigenen KI-System KinetIQ. Für Logistikhallen und Fabrikböden ist das pragmatisch, Räder sind günstiger, stabiler und schneller. Die Alpha-Version will die Firma in sieben Monaten entwickelt haben, die zweibeinige Variante in fünf, wobei diese Angaben von niemandem unabhängig geprüft wurden. Eine Beta-Version soll im vierten Quartal 2026 folgen.
Den Titel des ersten reinen Humanoiden-Einhorns Europas, mit dem sich die Firma nun schmückt, muss man allerdings mit Vorsicht lesen. Neura Robotics, mit Entwicklungsstandort in Zürich, hat im Juni eine Series C über bis zu 1,4 Milliarden Dollar abgeschlossen und wird deutlich höher bewertet, baut neben Humanoiden aber auch kollaborative Industrieroboter. Und global relativiert sich die Zahl ohnehin: Figure AI kommt auf 39 Milliarden, Apptronik auf über fünf. Goldman Sachs schätzt den gesamten Humanoiden-Markt für 2035 auf 38 Milliarden Dollar, allein die Bewertung von Figure liegt also schon heute darüber. Irgendjemand irrt sich hier gewaltig, entweder die Analysten oder die Investoren.
Bleiben die 34'000 Vorbestellungen. Wie verbindlich sie sind und wer dahintersteht, legt Humanoid nicht offen, und bis zur ersten Auslieferung bleibt die Zahl ein Versprechen. Trotzdem verschiebt die Runde etwas: Mit Bosch als Fertigerin entsteht erstmals eine durchgehend europäische Produktionskette für Humanoiden. Für Schweizer Betriebe, die in zwei oder drei Jahren über Roboter in Lager und Fertigung nachdenken, könnte neben den Anbietern aus Kalifornien und Hangzhou damit eine Option aus der Nachbarschaft stehen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.