Rekordauslieferungen bei den Fahrzeugen, aber keine einzige bestätigte Roboter-Stückzahl: An der Telefonkonferenz vom Mittwoch musste Tesla den Produktionsstart von Optimus erneut nach hinten schieben. Die Konkurrenz liefert derweil längst überprüfbare Zahlen.
Symbolbild · KI-generiert480'126 Fahrzeuge hat Tesla im zweiten Quartal ausgeliefert, so viele wie noch nie in einem Quartal. Interessiert hat das am Mittwochabend kaum jemanden. Die Frage, auf die Analysten und Aktionäre seit Monaten warten, lautet: Wie viele Optimus-Roboter hat Tesla gebaut? Die Antwort blieb aus. Wieder.
In der Präsentation zu den Quartalszahlen heisst es, die ersten Produktionslinien für den humanoiden Roboter würden derzeit im Werk Fremont installiert, die Fertigung starte "bald". Das ist eine bemerkenswerte Formulierung. Noch im April hatte Konzernchef Elon Musk den Produktionsstart auf Ende Juli oder August terminiert, nun ist von "später in diesem Jahr" die Rede. Eine verifizierte Stückzahl nannte Tesla nicht, weder in der Präsentation noch auf Nachfrage. Die ersten Roboter sollen zudem gar nicht zu Kunden gelangen, sondern intern Trainingsdaten sammeln.
Musk selbst klang ungewohnt vorsichtig. "Das wird das am schwierigsten zu skalierende Produkt, das wir je bei Tesla gebaut haben, denn an diesem Roboter ist alles neu", sagte er in der Telefonkonferenz. Der Satz fasst das Problem präzise zusammen. Optimus besteht aus rund 10'000 einzigartigen Bauteilen, für die es keine etablierte Lieferkette gibt. Allein die über 40 Servomotoren benötigen pro Roboter etwa 3,5 Kilogramm Hochleistungsmagnete aus Neodym, Dysprosium und Terbium. Über 90 Prozent der Verarbeitung dieser Materialien kontrolliert China, und die aktuelle Ausnahmeregelung bei den chinesischen Exportkontrollen läuft im November aus. Ausgerechnet dann, wenn die Produktion hochlaufen soll.
Die Börse reagierte kühl. Die Aktie verlor nach Handelsschluss gut vier Prozent, obwohl der Umsatz mit 28,2 Milliarden Dollar über den Erwartungen lag. Der Gewinn brach im Jahresvergleich um 57 Prozent ein, und die Investitionen von 25 Milliarden Dollar in diesem Jahr fliessen zu grossen Teilen in Projekte, die noch keinen Franken Umsatz bringen: Optimus, das Robotaxi Cybercab, eigene KI-Chips. Morgan Stanley rechnet den Optimus-Beitrag zum Aktienkurs inzwischen nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an. Das ist die nüchterne Übersetzung von Anlegervertrauen in eine Zahl.
Wie gross der Abstand zur Konkurrenz geworden ist, zeigen deren Geschäftsberichte. Agility Robotics weist für seinen Digit über 65'000 Betriebsstunden bei neun namentlich genannten Kunden aus, darunter GXO Logistics und Toyota. Figure hat bei BMW im Werk Spartanburg zehn Monate lang Blechteile in die Produktion von über 30'000 BMW X3 eingesetzt, dokumentiert von BMW selbst. Und Unitree aus Hangzhou hat 2025 rund 5'500 humanoide Roboter ausgeliefert, mehr als alle westlichen Anbieter zusammen. Wer heute wissen will, was Humanoide wirklich können, schaut nicht nach Fremont.
Dabei ist der Umbau in Kalifornien durchaus real. Tesla hat die Fertigung von Model S und Model X Anfang Mai eingestellt, nach 14 Jahren und gut 610'000 Fahrzeugen. Auf der frei gewordenen Fläche entsteht eine Linie mit einer geplanten Kapazität von bis zu einer Million Robotern pro Jahr, in Texas soll ab 2027 ein noch grösseres Werk folgen. Die Ambition ist nicht das Problem. Das Problem ist die Lücke zwischen Ambition und erster bestätigter Einheit. Für das offizielle Jahresziel von 50'000 bis 100'000 Robotern bleiben noch fünf Monate.
Für die Branche ist der Abend vom Mittwoch trotzdem aufschlussreich. Der Humanoiden-Sektor lernt gerade, zwischen Ankündigung und Auslieferung zu unterscheiden, und die Kapitalmärkte belohnen zunehmend jene Hersteller, die Betriebsstunden und Kundennamen vorlegen statt Kapazitätsziele. Für Schweizer Anleger, die Tesla über Fonds oder direkt im Depot halten, lohnt sich dieser Blick auf die Details: Der teuerste Teil der Tesla-Bewertung ruht derzeit auf einem Produkt, von dem es keine einzige öffentlich bestätigte Stückzahl gibt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.