Am 16. Juli hat SoftBank seine restliche Beteiligung an Boston Dynamics an Hyundai verkauft. Damit kontrolliert der koreanische Autokonzern den wohl bekanntesten Roboterbauer der Welt zu hundert Prozent. Hinter dem Deal steckt eine Wette auf die Fabrikhalle.
Symbolbild · KI-generiertRund 325 Millionen Dollar. So viel zahlt Hyundai, um die letzten 9,65 Prozent an Boston Dynamics zu übernehmen, die noch bei SoftBank lagen. Der japanische Investor hat Mitte Juli eine sogenannte Verkaufsoption gezogen, eine vertragliche Klausel aus dem Jahr 2020. Sie besagte im Kern: Bringt Boston Dynamics innerhalb von rund vier Jahren keinen Börsengang zustande, kann SoftBank seinen Restanteil zu vorher festgelegten Konditionen an Hyundai zurückgeben. Genau das ist jetzt passiert.
Der Preis setzt Boston Dynamics bei etwa 3,3 Milliarden Dollar an. Das ist ziemlich genau die Bewertung, zu der Hyundai schon 2021 die Mehrheit übernommen hat. In vier Jahren also kaum Wertzuwachs auf dem Papier, obwohl in dieser Zeit kaum ein Roboter so oft geteilt und kommentiert wurde wie Atlas und der Roboterhund Spot.
Wer die Firma kennt, kennt sie meist von genau diesen Videos: ein Humanoid, der über Kisten springt, einen Rückwärtssalto macht, sich nach einem Stoss wieder fängt. Jahrelang war Boston Dynamics vor allem ein Labor mit Weltruf und ein Publikumsliebling, aber kein Unternehmen, das mit Robotern grosses Geld verdiente. Das soll sich nun ändern.
Hyundai denkt nicht in viralen Clips, sondern in Werkshallen. Der Konzern hat angekündigt, bis 2030 rund 87 Milliarden Dollar in Südkorea und weitere 26 Milliarden in den USA zu investieren, ein grosser Teil davon fliesst in das, was die Branche Physical AI nennt: künstliche Intelligenz, die nicht nur Texte schreibt, sondern Maschinen in der realen Welt steuert. Der neue, vollelektrische Atlas soll ab 2028 im Hyundai-Werk nahe Savannah im US-Bundesstaat Georgia mitarbeiten. Zuerst beim Sortieren und Bereitstellen von Teilen, später bei der Montage und bei schweren, sich wiederholenden Handgriffen.
Interessant ist das Geschäftsmodell dahinter. Statt Roboter einfach zu verkaufen, will Hyundai sie im Abo anbieten, inklusive Software-Updates, Fernwartung und regelmässigen Verbesserungen über das Netz. Robotics as a Service, nach dem Muster von Cloud-Diensten. Die Idee ist einfach: Ein Hersteller soll nicht Hunderttausende auf einen Schlag hinlegen müssen, sondern eine monatliche Gebühr zahlen und die Maschine so lange behalten, wie sie sich rechnet.
Während in China gerade ein Dutzend Humanoiden-Startups an die Börse drängt, um Kapital einzusammeln, geht Boston Dynamics den umgekehrten Weg: ganz raus aus der Börsenfantasie, ganz hinein in einen Industriekonzern mit tiefen Taschen. Der ausgebliebene Börsengang, der SoftBanks Ausstieg überhaupt erst ausgelöst hat, wird so fast zur Randnotiz. Das Parkett braucht die Firma nicht mehr, wenn der Eigentümer selbst Autos in Millionenstückzahl baut und die Roboter direkt in die eigenen Fabriken stellt.
Für Schweizer Industriebetriebe ist der Vorgang aus zwei Gründen aufschlussreich. Erstens zeigt er, wohin die Reise geht: Der humanoide Roboter wird zum Werkzeug der Fertigung, nicht zum Gadget fürs Wohnzimmer. Zweitens dürfte das Abo-Modell den Einstieg auch für kleinere Betriebe verändern. Wer heute in einer Schweizer Werkhalle über Automatisierung nachdenkt, muss sich nicht mehr fragen, ob ein knapp zwei Meter grosser Humanoid ins Budget passt, sondern ob sich eine monatliche Rate rechnet. Das ist eine andere Rechnung.
Ob Hyundai die Fabrik-Wette gewinnt, entscheidet sich nicht 2026. Boston Dynamics will noch dieses Jahr die ersten Exemplare des neuen Atlas ausliefern, der breite Serieneinsatz ist für 2028 vorgesehen, die anspruchsvolleren Montagearbeiten für 2030. Bis dahin bleibt vieles Ankündigung. Sicher ist nur: Der berühmteste Roboterbauer der Welt gehört jetzt vollständig einem Autokonzern, und der hat mit hübschen Videos wenig im Sinn.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.