Am 14. Juli hat das chinesische Robotikunternehmen LimX Dynamics eine Pre-IPO-Runde über rund 200 Millionen Dollar abgeschlossen, die zweite dieser Grösse innert sechs Monaten. Wenige Tage zuvor erhielt Unitree grünes Licht für einen Börsengang über gut 600 Millionen Dollar in Schanghai. Chinas Humanoiden-Branche wechselt vom Wagniskapital an den Kapitalmarkt, und zwar in einem Tempo, das selbst für chinesische Verhältnisse bemerkenswert ist.
Symbolbild · KI-generiertRund 200 Millionen Dollar in einer einzigen Finanzierungsrunde, abgeschlossen am 14. Juli, bei einer Bewertung von 2,2 Milliarden Dollar. Für das 2022 gegründete Robotikunternehmen LimX Dynamics aus Shenzhen ist es bereits die zweite Runde dieser Grösse innert sechs Monaten, im Februar hatte die Firma denselben Betrag als Series B eingesammelt. Das erklärte Ziel dahinter macht Mitgründer Wei Zhang gar nicht erst zum Geheimnis: Der nächste Schritt ist der Gang an die Börse.
Damit reiht sich LimX in eine Bewegung ein, die in China gerade richtig Fahrt aufnimmt. Branchenprimus Unitree erhielt am 3. Juli von der Wertpapieraufsicht die definitive Zulassung für eine Kotierung am Schanghaier STAR Market, angepeilt sind umgerechnet gut 600 Millionen Dollar. Bemerkenswert ist weniger die Summe als das Tempo: Zwischen Gesuch und Bewilligung lagen 73 Tage, einer der schnellsten Prüfprozesse, den der Technologie-Börsenplatz je gesehen hat. Die Behörden winken Robotikfirmen derzeit erkennbar bevorzugt durch.
Unitree bringt dabei etwas mit, das in dieser Branche noch Seltenheitswert hat: schwarze Zahlen. 2025 setzte die Firma aus Hangzhou umgerechnet rund 250 Millionen Dollar um und verdiente dabei etwa 41 Millionen. Über 5'500 humanoide Roboter hat sie im vergangenen Jahr ausgeliefert, das Geschäft mit den zweibeinigen Maschinen macht inzwischen gut die Hälfte des Umsatzes aus, im Jahr davor war es noch ein gutes Viertel. Wer sich fragt, wie ernst es China mit der Kommerzialisierung von Humanoiden meint, findet in diesen Zahlen eine ziemlich klare Antwort.
Der Kontrast zum Westen ist auffällig. Dort wagt sich mit Agility Robotics gerade erst der erste reine Humanoiden-Hersteller über eine Fusion mit einer Mantelgesellschaft an die Börse, von Profitabilität ist das Unternehmen weit entfernt. China schickt derweil gleich eine ganze Kohorte aufs Parkett. Der Fernsehsender CNBC zitierte diese Woche einen Branchenvertreter mit dem Satz, eine Kotierung sei schlicht Pflicht: Wer im Wettrennen um Skalierung und sinkende Stückkosten mithalten wolle, brauche Zugang zu tiefen Kapitaltöpfen, und die finde man nur am öffentlichen Markt.
Interessant ist, wer bei LimX eingestiegen ist. Neben chinesischen Adressen wie IDG Capital und den bestehenden Investoren JD.com und Alibaba beteiligten sich auch Stone Venture aus den Emiraten und Redstone, ein Wagniskapitalgeber aus Deutschland. Europäisches Geld fliesst also längst in Chinas Humanoiden-Boom, während europäische Hersteller wie das in Zürich mit 1,4 Milliarden bewertete Neura Robotics ihre Mittel noch privat beschaffen.
Für Schweizer Beobachter bedeutet die Börsenwelle zweierlei. Erstens lässt sich die Branche bald an harten Quartalszahlen messen statt an Demovideos, das dürfte manche Bewertung auf den Boden holen. Zweitens rücken die Produkte näher: Unitree will die Erlöse aus dem Börsengang in neue Modelle und eine eigene Fertigung stecken, und die Geräte des Herstellers sind schon heute auch hierzulande im Einsatz, vom vierbeinigen Inspektionsroboter bis zum Humanoiden im Forschungslabor. Was als Kursfantasie in Schanghai beginnt, steht erfahrungsgemäss wenige Jahre später ganz real in europäischen Werkhallen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.