1X hat am 9. Juli neue Hände für seinen Haushaltsroboter Neo vorgestellt: 25 Freiheitsgrade, Sehnenantrieb und Tastsinn in den Fingerspitzen. Der Hersteller trifft damit den wunden Punkt der ganzen Branche, denn was Humanoide wirklich nützlich macht, entscheidet sich nicht beim Gehen, sondern beim Greifen.
Symbolbild · KI-generiertNeun Kilogramm stemmen und gleich danach eine Traube vom Stiel zupfen, ohne sie zu zerdrücken: Mit diesem Kunststück hat das norwegisch-amerikanische Robotikunternehmen 1X am 9. Juli neue Hände für seinen Haushaltsroboter Neo vorgestellt. 25 Freiheitsgrade, Sehnenantrieb, Tastsinn in den Fingerspitzen. Firmenchef Bernt Børnich spart nicht mit Selbstbewusstsein: «Das ist es, worauf die Industrie gewartet hat.»
Dass ein Hersteller so viel Aufhebens um ein einzelnes Bauteil macht, hat einen einfachen Grund. Gehen, Treppensteigen, sogar Rückwärtssaltos beherrschen Humanoide inzwischen erstaunlich zuverlässig. Der Engpass sitzt am Ende des Arms. Ob ein Roboter im Haushalt oder in der Werkhalle tatsächlich Arbeit übernimmt, ist am Schluss fast immer eine Frage der Hände. Wäsche zusammenlegen, ein Glas einräumen, eine Schraube aufheben: Genau daran scheitern die Maschinen bisher am häufigsten.
Die neue Hand von 1X setzt auf ein Prinzip, das dem menschlichen Vorbild näher kommt als klassische Robotergreifer. Die Motoren sitzen im Unterarm, Sehnen laufen durch das Handgelenk zu den Fingern. 22 angetriebene Freiheitsgrade stecken in Fingern und Handfläche, drei weitere im Handgelenk. Die Finger sind nachgiebig: Drückt man dagegen, geben sie nach und melden die wirkende Kraft zurück. An den Fingergliedern erreicht die Hand bis zu 45 Newton Druckkraft, positioniert wird auf 0,2 Millimeter genau.
Interessanter als die rohen Zahlen ist der Tastsinn. Sensoren in den Fingerspitzen messen nicht nur Druck und Kontaktpunkt, sondern auch Scherkräfte, also das seitliche Gleiten eines Objekts. Beginnt ein Glas aus der Hand zu rutschen, spürt der Roboter das und fasst nach, bevor es fällt. Es ist dieser Unterschied, der Greifen von blossem Festhalten trennt.
Auch an den Alltag hat 1X gedacht. Die Hände sind nach IP68 wasserdicht und aus lebensmittelechten Materialien gefertigt, Neo kann sie also schlicht unter den Wasserhahn halten. Im Demovideo dreht der Roboter eine Glühbirne ein, hebt eine Schraube vom Boden auf, zieht einen Reissverschluss zu und baut Lego zusammen. Hunderte Exemplare sind laut dem Unternehmen bereits von der eigenen Produktionslinie gelaufen, die Kapazität liegt bei 10'000 Händen in diesem Jahr. Jeder ausgelieferte Neo bekommt sie.
Für die Branche ist die Ankündigung ein Fingerzeig, wohin sich der Wettbewerb verschiebt. Nicht mehr die spektakulärste Bühnenshow zählt, sondern die Frage, wer feine Manipulation in Serie fertigen kann. Neo wird vorerst in den USA ausgeliefert, Schweizer Haushalte müssen sich noch gedulden. Wer verfolgen will, wie schnell solche Fähigkeiten den Weg in verfügbare Geräte finden, dem bietet der Schweizer Markt aber schon heute genug Anschauungsmaterial, von Cobots mit Greifern bis zu ersten Humanoiden im Verzeichnis von robothub24.
Ob die Hände im Alltag halten, was das Video verspricht, wird sich zeigen, wenn die ersten Kunden ihre Geräte länger im Einsatz haben. Die Richtung aber stimmt: Der Haushaltsroboter rückt nicht durch grössere Versprechen näher, sondern durch bessere Finger.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.