Skild AI und Physical Intelligence bauen keine Roboter, sondern die Software, die jeden Roboter steuern soll. Was Android für Smartphones wurde, wollen die beiden US-Startups für die Robotik werden. Investoren bewerten die Wette inzwischen mit über 25 Milliarden Dollar, und mit ABB ist ein Schweizer Konzern mittendrin.
Symbolbild · KI-generiertAls das iPhone kam, bauten Dutzende Firmen Mobiltelefone. Das Geld verdienten am Ende zwei Betriebssysteme. Genau diese Wette laufen jetzt zwei amerikanische Startups für die Robotik: Skild AI aus Pittsburgh und Physical Intelligence aus San Francisco bauen keine eigenen Roboter, sondern das Hirn, das in möglichst vielen fremden Maschinen stecken soll. Streng genommen ist es kein Betriebssystem wie Android, sondern ein KI-Grundmodell, das Sehen, Sprache und Bewegung verbindet. Die Rolle im Markt wäre aber dieselbe: die Schicht, an der keiner vorbeikommt.
Wie ernst Investoren das nehmen, zeigen die Zahlen. Skild AI holte sich im Januar rund 1,4 Milliarden Dollar, angeführt von SoftBank, mit Nvidia und Jeff Bezos im Rücken. Bewertung: über 14 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie sieben Monate zuvor. Physical Intelligence sammelte im November 600 Millionen ein, angeführt von Alphabets Wachstumsfonds CapitalG, und verhandelt seit dem Frühjahr laut Medienberichten über eine weitere Milliarde bei mehr als 11 Milliarden Dollar Bewertung. Zum Vergleich: Der Umsatz von Skild lag 2025 bei rund 30 Millionen Dollar. Bezahlt wird hier eine Zukunft, keine Gegenwart.
Die beiden Firmen kommen aus derselben Ecke, gehen aber unterschiedliche Wege. Skild, 2023 von den Carnegie-Mellon-Professoren Deepak Pathak und Abhinav Gupta gegründet, nennt sein Modell Skild Brain und wirbt mit dem Begriff omni-bodied: Dasselbe Hirn steuert Vierbeiner, Humanoide, Roboterarme und fahrende Plattformen, ohne für jede Bauform neu trainiert zu werden. Fällt ein Motor aus, passt sich das Modell an, statt stehenzubleiben. Skild drückt aggressiv in die Industrie. Partnerschaften mit ABB, Universal Robots und deren Schwester MiR sollen das Hirn in etablierte Industrieroboter bringen, bei Foxconn in Houston steuert es Montagelinien, auf denen Nvidias Blackwell-Server entstehen. Im April kaufte Skild zudem das Robotikgeschäft von Zebra Technologies, die frühere Fetch Robotics, und sicherte sich damit den Zugang zu Lagerhäusern samt Flottensoftware.
Physical Intelligence, in der Szene nur Pi genannt, ist die Forscher-Supergroup unter den beiden. Gegründet haben sie unter anderen Karol Hausman, der bei Google Brain die Robotermanipulation leitete, Berkeley-Professor Sergey Levine und Stanford-Professorin Chelsea Finn. Ihr Modell Pi Null lernte zunächst Wäsche falten und Tische abräumen, die Version 0.5 verallgemeinerte auf Wohnungen, die sie nie gesehen hatte. Im November folgte der bisher grösste Schritt: Mit einer Trainingsmethode namens Recap lernt das Modell aus eigenen Fehlern weiter, wie ein Lehrling, dem man nicht mehr jeden Handgriff vormachen muss. In den Demos zieht ein Roboter von halb sechs Uhr morgens bis in den Abend Espressi, faltet fünfzig ihm unbekannte Kleidungsstücke und setzt in einer echten Fabrik Pralinenschachteln zusammen, inklusive Etikett. Auf den schwersten Aufgaben verdoppelte die Methode den Durchsatz und halbierte die Fehlerquote, sagt die Firma.
Auch die Geschäftsmodelle unterscheiden sich. Pi hat sein erstes Modell als Open Source freigegeben und spielt damit das Drehbuch, das Meta mit seinen Llama-Sprachmodellen vorgemacht hat: Erst wird das eigene Werkzeug zum Standard in den Labors, dann lizenzieren die Firmenkunden die leistungsfähigen Versionen. Skild hält sein Modell geschlossen und verkauft direkt an Industriepartner. Welcher Weg trägt, ist offen. Sicher ist nur, dass die Hardware-Hersteller die Entwicklung genau beobachten, denn die Smartphone-Geschichte kennt auch die Verlierer: Wer damals nur die Geräte baute, überliess die Marge dem Plattformbetreiber.
Für die Schweiz ist das keine ferne Debatte. ABB mit Sitz in Zürich holt sich das Skild Brain in die eigenen Roboter und positioniert sich damit früh auf einer der beiden Plattformen. Für Betriebe hierzulande, die heute einen Roboter beschaffen, wird die Frage nach der Software damit so wichtig wie die nach der Traglast: Ein Gerät, dessen Hirn per Update dazulernt, altert anders als eines, das nur seine Werksprogramme kennt. Ob am Ende Skild, Pi, Google oder Nvidia die Rolle von Android besetzen, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Dass die Robotik gerade ihre Smartphone-Wende erlebt, lässt sich schon jetzt kaum noch übersehen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.