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Branche30. Juni 2026

Klein, weich und 50'000 Dollar teuer: Amazon übernimmt den Sprout-Macher Fauna Robotics

Ende März hat Amazon das New Yorker Start-up Fauna Robotics gekauft, samt dessen kindgrossem Humanoiden Sprout. Der Roboter ist salbeigrün, weich gepolstert und vor allem eines: noch lange kein Produkt für das Wohnzimmer. Trotzdem sagt der Deal viel darüber aus, wie ernst es dem Konzern mit dem Haushaltsroboter ist.

Klein, weich und 50'000 Dollar teuer: Amazon übernimmt den Sprout-Macher Fauna RoboticsSymbolbild · KI-generiert

Sprout ist 1,07 Meter gross, wiegt 22,7 Kilogramm und trägt eine weiche Schaumhülle in einem gedeckten Salbeigrün. Statt einer harten Plastikschale, an der man sich stossen könnte, eine nachgiebige Aussenhaut. Statt einer Maske ein Gesicht aus einem rundum laufenden LED-Band, dazu zwei bewegliche Augenbrauen. Wer dieses Wesen zum ersten Mal sieht, denkt eher an eine Spielfigur als an einen Industrieroboter. Genau das ist Absicht.

Hinter Sprout steht Fauna Robotics, ein 2024 in New York gegründetes Start-up. Die Gründer kommen von Meta und Google, das Team zählt rund 50 Leute. Anfang 2026 trat die Firma aus dem Verborgenen, stellte den Roboter vor und nannte einen Preis: 50'000 US-Dollar für die sogenannte Creator Edition. Wenige Wochen später, am 25. März, bestätigte Amazon die Übernahme. Das gesamte Team wechselt in die Personal Robotics Group des Konzerns, also jene Abteilung, die schon den fahrenden Heimroboter Astro verantwortet.

Es lohnt sich, beim Preis kurz innezuhalten. 50'000 Dollar zahlt niemand für einen Helfer, der die Spülmaschine ausräumt. Sprout ist denn auch nicht als Konsumgerät gedacht, sondern als Entwicklerplattform. Fauna liefert den Roboter zusammen mit einer modularen Software, fertigen Bausteinen für Navigation, Kartierung und Teleoperation sowie den nötigen Schnittstellen. Forschungslabors und Firmen sollen darauf eigene Anwendungen bauen, ohne bei der mühsamen Grundlagenarbeit von vorne zu beginnen. Zu den ersten Kunden zählen Disney, Boston Dynamics sowie die Universitäten von New York und San Diego. Ein Roboter zum Programmieren also, kein Roboter zum Kaufen.

Technisch ist das Gerät durchaus erwachsen. 29 Freiheitsgrade verteilen sich auf Arme, Beine, Hals und Greifer, die Arme reichen vom Boden bis auf Tischhöhe. Im Inneren rechnet ein NVIDIA Jetson AGX Orin mit 64 Gigabyte, dazu kommen eine ZED-2i-Stereokamera, mehrere Time-of-Flight-Sensoren und ein Mikrofonarray. Der Akku lässt sich im Betrieb wechseln und hält drei bis dreieinhalb Stunden. Sprout kann gehen, knien, sich aus einer Hocke aufrichten, leichte Gegenstände greifen und nach einem Sturz wieder aufstehen. Schwere Lasten oder Akkordarbeit sind nicht sein Metier. Er ist gebaut, um sich unter Menschen zu bewegen, nicht um sie aus der Halle zu verdrängen.

Damit fügt sich die Übernahme in eine grössere Linie. Amazon betreibt in seinen Lagern längst eine riesige Roboterflotte, koordiniert von einer eigenen KI, und hält über eine Mehrheitsbeteiligung an Agility Robotics auch den zweibeinigen Lagerhelfer Digit in der Hand. Das eine Standbein ist also die Fabrik. Mit Fauna sichert sich der Konzern nun das zweite: die Plattformtechnologie für den Roboter im Privathaushalt. Astro kann bislang vor allem patrouillieren und filmen, Hände hat er keine. Sprout bringt genau diese fehlende Fähigkeit mit, wenn auch vorerst im Labormassstab.

Für ein Schweizer Publikum ist der Fall weniger als Kaufgelegenheit interessant denn als Wegmarke. Hierzulande wird der Sprout so schnell nicht im Laden stehen, und zu einem Konsumentenpreis schon gar nicht. Was der Deal zeigt, ist eine Verschiebung der Kräfte. Der Haushaltsroboter entsteht nicht mehr nur in kleinen Start-ups mit knappem Budget, sondern wird zur strategischen Sache eines der grössten Technologiekonzerne der Welt. Ob daraus in ein paar Jahren ein bezahlbares Gerät fürs Wohnzimmer wird oder ob Sprout eine Forschungsplattform bleibt, ist offen. Sicher ist nur, dass Amazon die Antwort darauf nicht mehr dem Zufall überlassen will.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.