robothub24
Zurück
Branche25. Juni 2026

Greifen statt nur fahren: Warum Bear Robotics das britische Kinisi übernimmt

Bear Robotics hat über 16'000 Serviceroboter ausgeliefert, die durch Restaurants und Lagerhallen rollen. Was ihnen fehlt, sind Hände. Mit der Übernahme des britischen Start-ups Kinisi will das Unternehmen genau diese Lücke schliessen, und zeigt nebenbei, wo die eigentliche Hürde der ganzen Branche liegt.

Greifen statt nur fahren: Warum Bear Robotics das britische Kinisi übernimmtSymbolbild · KI-generiert

Am 22. Juni hat Bear Robotics einen verbindlichen Vertrag zur Übernahme des britischen Start-ups Kinisi Robotics unterzeichnet. Der Abschluss soll in den kommenden Tagen erfolgen, zum Kaufpreis schweigen beide Seiten. Hinter der knappen Mitteilung steckt eine Wette darauf, was Roboter in den nächsten Jahren wirklich können müssen.

Bear Robotics kennt man vor allem aus der Gastronomie. Die kalifornische Firma baut jene rollenden Serviceroboter, die in Restaurants Teller an den Tisch bringen oder in Hotels Handtücher aufs Zimmer fahren. Seit der Gründung 2017 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 16'000 solcher Maschinen ausgeliefert. Dazu kommen Bodenreiniger und eine Cloud, die ganze Flotten koordiniert. Die Geräte finden ihren Weg durch volle, sich ständig verändernde Räume, ohne festen Schienen zu folgen. Eines können sie aber nicht: zugreifen.

Genau hier liegt die eigentliche Hürde der Branche. Das Navigieren gilt weitgehend als gelöst, das Greifen nicht. Einen Gegenstand erkennen, ihn richtig fassen und wieder ablegen, ohne etwas zu zerdrücken oder fallen zu lassen, ist für eine Maschine ungleich schwieriger, als von einem Ort zum nächsten zu rollen. «Die Manipulations-KI ist die Schicht, die unsere Roboter vom blossen Navigieren und Ausliefern dahin bringt, die Arbeit vor ihnen tatsächlich zu erledigen», sagt John Ha, Gründer und Chef von Bear. Die meisten Firmen versuchten gerade erst, vom Pilotprojekt zum fertigen Produkt zu kommen. Bear sei bereits dort und erweitere nun eine laufende Flotte zur vollwertigen Automatisierung.

Was Kinisi mitbringt, ist diese fehlende Schicht. Das Team aus Bristol entwickelt den KR1, einen Roboter auf Rädern mit menschenähnlichem Oberkörper, gebaut fürs Picken, Sortieren und Umräumen von Objekten in Industrie, Logistik und Hotellerie. Pikant ist die Vorgeschichte: Kinisi hat von Anfang an auf dem Navigations-Stack von Bear aufgesetzt, also auf derselben Technik, die die Serviceflotte antreibt. Und Firmengründer Brennand Pierce war einst Mitgründer von Bear. Mit der Übernahme kehrt er als Chief Robotics Officer zurück und führt den Standort Bristol weiter, der künftig als europäischer Entwicklungsstandort für Bear dienen soll.

Technisch am interessantesten ist ein Detail abseits des Roboters selbst. Kinisi hat einen günstigen, herstellerunabhängigen Handschuh entwickelt, mit dem ein Mensch eine Greifbewegung einfach vormacht und gleich aufzeichnet. So lässt sich Trainingsmaterial sammeln, ohne dass dafür teure Roboterzeit draufgeht. Kombiniert mit den Daten, die Bears Flotte an tausenden Standorten täglich produziert, sollen sich die KI-Modelle deutlich schneller trainieren lassen, als es eine Firma allein je könnte.

Für ein Schweizer Publikum ist der Fall aus zwei Gründen aufschlussreich. Zum einen rücken die Serviceroboter, die auch hierzulande in Restaurants, Spitälern und Lagern bereits unterwegs sind, einer echten Generalisten-Fähigkeit näher. Dasselbe Gerät könnte bald nicht nur ausliefern, sondern auch ein- und ausräumen. Zum anderen zeigt der Deal, wie rasch die noch junge Humanoiden-Szene konsolidiert. Statt dass jeder für sich einen eigenen Roboter von Grund auf baut, kaufen sich etablierte Anbieter gezielt die Bausteine zusammen, die ihnen fehlen. Wer eine funktionierende Flotte, zahlende Kunden und eine Lieferkette hat, muss die schwierige Manipulations-Forschung nicht mehr bei null beginnen.

Ob aus dem rollenden Kellner ein universeller Helfer wird, entscheidet sich nun daran, wie sauber sich Greifen und Fahren auf einer einzigen Plattform verbinden lassen. Bis zum Abschluss arbeiten beide Firmen getrennt weiter, bestehende Pilotprojekte laufen unverändert. Danach beginnt die eigentliche Arbeit.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.