BMW hat mit zwei Figure-02-Robotern über 30'000 Fahrzeuge produziert. Japan Airlines schickt Unitree-Roboter zum Gepäck. Was in Fabrikhallen heute läuft, schafft die Grundlage dafür, dass Roboter irgendwann zuhause helfen — aber der Weg dorthin ist länger als die Branche gerne zugibt.
In Spartanburg, South Carolina, haben zwei Figure-02-Roboter in elf Monaten über 90'000 Blechteile bewegt und an der Produktion von mehr als 30'000 BMW X3 mitgewirkt. Am Flughafen Haneda in Tokio verladen Unitree-Roboter Gepäck und reinigen Kabinen. Schaeffler hat sich vertraglich zu mehreren Tausend humanoiden Einheiten in seinen weltweiten Werken bis 2032 verpflichtet.
Das ist die Industrie, die gerade den Haushaltsroboter finanziert.
Nicht weil das ihr Ziel wäre. Sondern weil die Stückzahlen, die Trainingsdaten und die Ingenieurstunden, die jetzt in Fabrikumgebungen fliessen, die Technologie auf ein Preisniveau drücken, das irgendwann für Privathaushalte realistisch wird. Ein gutes Analogon ist die Elektroauto-Batterie: 2012 kostete eine kWh Kapazität rund USD 1'000. Heute sind es unter USD 80. Nicht weil jemand die Batterie speziell für den Massenmarkt entwickelt hat, sondern weil Tesla, BYD und andere Millionen Fahrzeuge gebaut haben.
Bei Roboteraktuatoren läuft dasselbe ab, nur schneller. Hochleistungsgelenke für humanoide Systeme kosten heute CHF 2'500 bis 3'500 pro Stück. Bei den Stückzahlen, die Schaeffler und Co. abrufen werden, fallen diese Preise innerhalb weniger Jahre dramatisch.
Was dabei oft übersehen wird: Der technisch schwierigere Teil liegt nicht in der Fabrik. Ein Werk ist ein kontrolliertes System — bekannte Objekte, definierte Lichtverhältnisse, geregelte Abläufe. Ein Wohnzimmer ist das Gegenteil. Kinder, Haustiere, ein Weinglas auf dem Boden, ein Hund der plötzlich bellt. Die Feinmotorik, die ein Roboter braucht um ein rohes Ei aufzuheben oder einem älteren Menschen beim Aufstehen zu helfen, ist eine andere Kategorie als Kisten stapeln oder Schrauben drehen.
1X verkauft seinen NEO bereits für USD 499 im Monat, erste Lieferungen laufen 2026 an. LG hat an der CES seinen CLOiD für den Heimbereich vorgestellt. Beide Produkte sind real — aber beide decken vorerst einen sehr begrenzten Aufgabenbereich ab. Staubsaugen, einfache Transporte, Assistenz in klar definierten Situationen.
Goldman Sachs prognostiziert einen Markt von USD 38 Milliarden bis 2035, von heute USD 2.9 Milliarden. Realistisch ist das — aber nicht weil Haushaltsroboter jetzt schon die Versprechen der Science-Fiction einlösen. Sondern weil Industrie und Logistik den Markt skalieren, bis die Technologie günstig genug wird, um in Wohnungen wirtschaftlich Sinn zu machen.
Bis dahin lohnt sich ein Blick auf das, was gerade in Fabrikhallen passiert. Dort entscheidet sich, wie schnell der Rest folgt.
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